Logo - Journal der Monderkundungen - Apollo 15

Gründer und Redakteur i. R. Eric M. Jones

Redaktion und Edition Ken Glover

Übersetzung © Thomas Schwagmeier u. a.

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Die Berge des Mondes

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Mobil auf der Mondoberfläche

Nüchtern betrachtet waren die ersten drei Mondlandemissionen immer noch Testflüge. Forschung und Wissenschaft standen an zweiter Stelle und in diesen Landefähren konnte auch nicht besonders viel Ausrüstung mitgenommen werden. Bei der Konstruktion des LMNASALMLunar Module hatte man sich auf das beschränkt, was zur Landung auf der Mondoberfläche absolut nötig war. Um jedes Kilogramm für wissenschaftliches Gerät und Werkzeuge musste gekämpft werden. Gewachsenes Vertrauen in die Technik der Raumschiffe sowie Fortschritte bei der Leistungsfähigkeit erlaubten zwar eine geringe Steigerung der Nutzlast, doch bei Apollo 14 hatte man die Möglichkeiten der ursprünglichen Apollo-Raumschiffe maximal ausgereizt.

Selbstverständlich ging es der NASANASANASANational Aeronautics and Space Administration und allen anderen Weltraumforschern schon immer darum, mehr zu erreichen, als zwei Astronauten zu Fuß während eines Aufenthalts leisten konnten. Bereits in den 1950er Jahren veröffentlichten Raketenkonstrukteur Wernher von Braun, Astronom Fred Whipple oder Wissenschaftsautor Willy Ley im Collier’s-Magazin eine Serie von Artikeln, die weitaus ambitioniertere Missionen zum Mond beschrieben. Drei große Landefähren sollten im Erdorbit zusammengebaut und betankt werden, um dann eine Mannschaft von fünfzig Forschern auf den Mond zu bringen. Zwei der Raumschiffe wären in der Lage, von der Mondoberfläche wieder zurück zur Erde zu fliegen und hätten auf dem Hinflug je eine zwanzigköpfige Besatzung. Das dritte Raumschiff dient als Frachter mit zehn Besatzungsmitgliedern an Bord und könnte anstelle des Treibstoffs für den Rückflug etwa 300 Tonnen Nutzlast befördern. Von Braun und seine Mitautoren gingen davon aus, man würde kurz nach Tagesanbruch auf dem Mond landen, den ersten zweiwöchigen Tag, die folgende Nacht und einen weiteren Tag bleiben, um kurz vor Sonnenuntergang am zweiten Tag wieder zu starten. Alles in allem also Aufenthalt auf der Mondoberfläche. Die Mannschaft sollte nicht in den Raumschiffen leben, sondern den Frachtraum der dritten Landefähre auseinandernehmen und die zwei resultierenden Halbzylinder als Hütten verwendeneine als Quartier, die andere für Labore. Natürlich müsste man ziemlich viel Material bewegen. Dafür hat jedes Raumschiff einen Kran und außerdem stehen drei 10-Tonnen-Schlepper zur Verfügung. Nach dem Aufbau der Basis können die Schlepper als Fahrzeuge bei den Erkundungen eingesetzt werden. Zunächst für Touren in der näheren Umgebung, später, unmittelbar vor Sonnenaufgang am zweiten Tag, für längere Strecken über 300 Kilometer zu einem entfernten großen Krater. Dort hoffte man entsprechende Hinweise zu finden, die ein für alle Mal klären, ob die großen Mondkrater von Einschlägen verursacht wurden oder durch Vulkanismus entstanden sind.

Tatsächlich war diese Frage schon lange vor Apollo 11 weitgehend beantwortet. Sehr gute Aufnahmen der Sonde Lunar Orbiter oder von Instrumenten auf der Erde wie im Palomar-Observatorium lieferten den meisten Planetenwissenschaftlern ausreichend Anhaltspunkte dafür, dass die weitaus überwiegende Zahl der Krater von Einschlägen verursacht wurde. Umfassendere Informationen dazu finden sich in To a Rocky Moon von Don Wilhelms. Als ich mit Jack Schmitt diese Zusammenfassung der Mission von Apollo 15 besprochen habe, ergänzte er noch etwas. Selbst für die Mehrheit, die überzeugt war, fast alle seien durch Einschläge entstanden, gab es ein paar wenige Krater, die nach einer von Vulkanismus erzeugten Caldera aussahen. Hauptsächlich, weil sie deutlich polygonalere Umrisse hatten als Einschlagkrater. Doch mitunter nehmen große Einschlagkrater ebenfalls vieleckige Formen an. Es hängt vom jeweiligen Bruchliniensystem ab. Im Fall von Meteor Crater (in Arizona, auch als Barringer-Krater bekannt) verlaufen die Bruchlinien nordwestlich und nordöstlich und entlang dieser Brüche wird mehr Material herausgeschleudert. Am Ende hat man einen quadratischen Krater. Auf dem Mond scheint es, dass hexagonale Bruchliniensysteme vorherrschen, also bekommt man Hexagons. Es gibt ein paar deutlich polygonale Krater. Aber schaut man sich die Randwälle im Querschnitt an, sind sie deltaförmig anstatt rampenförmig. Darum hielt ich es durchaus für wahrscheinlich, dass es eher Calderen sind als Einschlagkrater. Wir sind nie bei so einem Krater gewesen, also wissen wir es nicht. Irgendwann habe ich etwas zu (Krater) Copernicus veröffentlicht. Ich glaube, darin gibt es mehr zu dem Thema. Es betrifft allerdings nur einen geringen Prozentsatz der großen Krater.

Wernher von Brauns Vorstellung für eine Mondexpedition ging vermutlich weit über alles hinaus, was bei einer ersten Mission realisiert werden konnte. Wären jedoch Tempo und Abfolge zu Beginn der Eroberung des Weltraums von der politischen Weltlage nicht so vorangetrieben worden, hätte man sicher die Zeit gehabt, im Erdorbit notwendige Einrichtungen zu schaffen und Fähigkeiten zu erwerben. Vielleicht wären wir dann von Anfang an mit der Absicht zum Mond geflogen, dort eine permanente Basis aufzubauen. Bei der NASANASANASANational Aeronautics and Space Administration wollte man sogar trotz der begrenzten Mittel für das Apollo-Programm zumindest eine unbemannte Frachtversion des LMNASALMLunar Module entwickeln. Das hätte längere Aufenthalte und schließlich eine, wenn auch bescheidene, Mondbasis ermöglicht (siehe u. a. Taking Science to the Moon von Donald A. Beattie). In den späten 60er Jahren jedoch, mit immer weiter schrumpfendem Budget, mussten etliche Träume auf Eis gelegt werden. Immerhin ließ das LMNASALMLunar Module sich noch etwas aufrüsten, sodass es mit mehr Nutzlast landen konnte. Das erlaubte den Astronauten ein bisschen länger zu bleiben und vergrößerte ihren Bewegungsradius.

Bis kurz vor dem Ereignis konnte man unmöglich wissen, wie schnell die erste Landung auf dem Mond glückte. Wer damals im Apollo-Programm arbeitete, hatte alle Hände voll zu tun, die erste Generation der Raumschiffe zu bauen und zu testen. Daher machte man sich keine ernsthaften Gedanken zu Weiterentwicklungen oder ausgedehnteren Missionen, bis die ersten Geräte getestet wurden. Im war man schließlich so weit, auch über ein aufgerüstetes LMNASALMLunar Module nachzudenken, das in der Lage warwie sich dann herausstelltefast eine Tonne zusätzlich an Ausrüstung und Versorgungsmaterial mitzunehmen. Da sich die wissenschaftliche Ausbeute nur steigern ließ, wenn die Astronauten länger bleiben, musste ein gutes Stück dieses Kontingents für mehr Sauerstoff, Wasser, Batterien und Proviant eingeplant werden. Bei den dreitägigen J-Missionen ging man ebenfalls davon aus, der Fokus würde mehr auf Erkundungen und geologischen Untersuchungen liegen. Daher wurde ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug diskutiert, welches anfänglichen Schätzungen zufolge jedoch höchstens 225 Kilogramm wiegen durfte. Als die ersten Memos verfasst wurden, war noch völlig unklar, ob ein so leichtes Fahrzeug gebaut werden kann, das trotzdem brauchbar und vor allem zuverlässig ist.

Laut einer Veröffentlichung der Historiker Bettye Burkhalter und Mitchell Sharpe (Das Mondfahrzeug: Geschichte, Entwicklung und Einsatz [Lunar Roving Vehicle: Historical Origins, Development and Deployment, 11,5 MB]) wird ein mit Rädern und elektrischem Antrieb ausgestattetes Vehikel für Erkundungsfahrten auf der Mondoberfläche bereits ziemlich früh in der Literatur erwähnt, praktisch zu Beginn des automobilen Zeitalters überhaupt. Schon , sobald es nicht mehr völlig aus der Luft gegriffen schien, beschrieb der polnische Schriftsteller Jerzy Żuławski einen Vorläufer des Mondfahrzeugs. Wie alle seine Nachfolger erkannte Żuławski, dass ein Verbrennungsmotor mangels Luft auf dem Mond nutzlos wäre, weshalb er sich für für einen elektrischen Antrieb entschied. Es war ein großes Fahrzeug mit geschlossener Kabine, ebenfalls ein Konzept, dem spätere Entwürfeinklusive von Brauns Schlepperfolgten. Fünf Personen sowie Proviant für ein ganzes Jahr sollten darin Platz finden.

Für ein halbes Jahrhundert tauchten Mondfahrzeuge nur gelegentlich in einigen Geschichten auf. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gab es unter den Raumfahrtenthusiasten ernsthaftere Überlegungen dazu. Man begann darüber nachzudenken, was auf dem Mond getan werden konnte, wenn von Brauns V2 zu einer Rakete für Weltraumflüge weiterentwickelt worden war. Wichtiger noch, man bezog technische Details wie Gewicht, Stromversorgung und Traktion bei unterschiedlichen Bodenverhältnissen in die Überlegungen ein. Nun musste Geld in die Hand genommen werden, um die Entwürfe in echte Fahrzeuge umzusetzen. Es war der euphorische Anfang des Apollo-Programms der NASANASANASANational Aeronautics and Space Administration, noch waren die vom Kongress freigegebenen Mittel begrenzt, als erste Entwicklungsaufträge vergeben wurden. Zu diesem Zeitpunkt stand ein Fahrzeug nicht unbedingt ganz oben auf der Liste, mit Blick auf die später vielleicht mögliche Mondbasis schien eine kleinere Investition jedoch sinnvoll. Die Entwicklung würde sicher einige Jahre dauern und könnte anfangs von Gruppen geleistet werden, die jeweils nur wenige Hunderttausend Dollar benötigten. (Zum Vergleich, die Gesamtkosten des Apollo-Programms beliefen sich nach damaliger Rechnung auf rund 24 Milliarden Dollar.) Außerdem investierten Auftragnehmer wie Boeing, Grumman, Bendix und andere Geld aus ihrem eigenen Entwicklungsetat, um sich Vorteile im Wettbewerb zu verschaffen, sobald man bei der NASANASANASANational Aeronautics and Space Administration die Entscheidung für ein Fahrzeug treffen würde. Diese frühen Anstrengungen gipfelten im sogenannten MOLABNASAMOLABMobile (Lunar) Laboratory: ein Fahrzeug mit geschlossener Kabine für zwei Personen, das ca. 3 Tonnen wiegt und eine Reichweite von rund 100 Kilometern hat. Das Marshall-Raumfahrtzentrum beauftragte sowohl Boeing als auch Bendix mit dem Bau. hatten beide Unternehmen ihre für die geringe Mondschwerkraft gebauten Prototypen fertig und gleich zu Beginn des folgenden Jahres begannen Probefahrten in der Wüste bei Yuma sowie wissenschaftliche Tests bei Flagstaff in Arizona. Doch eine ständige Mondbasis rückte in immer weitere Ferne, somit auch die Notwendigkeit für große Fahrzeuge dieser Art. Infolgedessen wurde das MOLABNASAMOLABMobile (Lunar) Laboratory-Konzept eingemottet. Als die NASANASANASANational Aeronautics and Space Administration dann tatsächlich ein leichtes Fahrzeug für die J-Missionen brauchte, erinnerte man sich allerdings daran und wandte sich, kaum überraschend, zuerst wieder an Boeing und Bendix. Als dritter Partner wurde General Motors ins Boot geholt.

Dave Scott, Kommandant von Apollo 15, bat mich, an dieser Stelle eine kleine Geschichte von Jack Schmitt einzufügen. Darin geht es um Fluggeräte zur Erforschung der Mondoberfläche.

Schmitt zufolge gab es einen starken Wettbewerb, sowohl wissenschaftlich als auch wirtschaftlich, zwischen Befürwortern eines Fahrzeugs und denen, die lieber ein Fluggerät bauen wollten. Elbert King vom JSCNASAJSC(Lyndon B.) Johnson Space Center war der hausinterne Verfechter für Fluggeräte. Geochemiker neigten eher zu Fluggeräten. Sie machten sich weniger Gedanken zur Geologie, welche die verschiedenen örtlich begrenzten Stellen, wo Proben genommen wurden, miteinander verband. Und wir, an die Arbeit bei Feldexkursionen gewöhnt, zogen Fahrzeuge vor. Damit hatte man besseren Kontakt zum Boden, auch wenn die Reichweite geringer war. Als Astronaut machte ich mir außerdem Sorgen, dass es auf der Erde schwierig sein würde, für solche Fluggeräte zu trainieren. Obwohl einigen anderen Astronauten die Idee einer Flugmaschine sehr gefiel. Wir waren gerade dabei, im Training das LLTVNASALLTVLunar Landing Training Vehicle (und seinen Vorgänger, das LLRVNASALLRVLunar Landing Research Vehicle) einzusetzen, und hatten jede Menge Probleme damit. (Bis zum Ende des Apollo-Programms sind ein LLRVNASALLRVLunar Landing Research Vehicle [von zwei] und zwei LLTVsNASALLTVLunar Landing Training Vehicle [von drei] bei Trainings- oder Testflügen abgestürzt.) Nun sollte für etwas noch Kleineres ein Simulator entwickelt werden, mit dem wir trainieren konnten. Das erschien mir nicht gerade sinnvoll. Dann kam es bei einer Konferenz in Santa Barbara zur Entscheidung. Ich weiß nicht mehr, worum es bei dem Treffen ging, aber ausgerechnet Max Faget war auch da. (Max Faget, ein beinah legendärer NASANASANASANational Aeronautics and Space Administration-Ingenieur, leitete die Abteilung für Konstruktion und Entwicklung des MSCNASAMSCManned Spacecraft Center in Houston und war federführend am Bau der Mercury- und Gemini-Raumkapseln sowie dem Apollo-Kommandomodul beteiligt.) Max argumentiere schließlich: Klar ist allerdings, sobald ihr anfangt, das zu bauen, kommen die Leute mit allen möglichen guten Ideen, wie man es sicherer machen kann. Und es sind dann auch wirklich gute Ideen. Aber so wird es immer größer (d. h. schwerer) werden bis an den Punkt, wo es nicht mehr zu gebrauchen ist. Nach dieser Aussage, und auch noch von Max Faget, war das Fluggerät erledigt. Man verlor kein Wort mehr darüber. Als den Verfechtern bewusst wurde, dass Max Faget kein Fluggerät wollte, erkannten sie ebenfalls, dass Weitermachen völlig sinnlos ist.

Die Entscheidung für den Bau eines eines Leichtfahrzeugs fiel am , am selben Tag, als Apollo 10 den Mondorbit verließ, um nach Hause zu fliegen. Die erste Landung stand nun unmittelbar bevor und so hoffte die NASANASANASANational Aeronautics and Space Administration, innerhalb von ein paar Jahren ihre erste J-Mission starten zu können. Was für das Fahrzeug wiederum bedeutete, Entwicklung und Bau unterlagen einem sehr engen Zeitplan. Vorläufige Konstruktionsanforderungen wurden schon im veröffentlicht. Endgültige Spezifikationen sowie die Ausschreibung folgten am . Nach Auswertung der eingereichten Entwürfe unterschrieb man am den Vertrag mit Boeing. Das Auftragsvolumen betrug anfangs 19 Millionen Dollar und im sollte das erste, voll einsetzbare Fahrzeug geliefert werden. 17 Monate sind nicht viel. Es mussten mehr Leute eingestellt und viele Überstunden gemacht werden, um den Termin zu halten. Am Ende beliefen sich die Gesamtkosten auf beinah 40 Millionen Dollar. In Zeiten des immer kleiner werdenden Budgets für die NASANASANASANational Aeronautics and Space Administration und nachlassenden öffentlichen Interesses am Apollo-Programm verursachte diese Kostenüberschreitung deutlich mehr Aufregung in den Medien als angebracht. Manche Leuteganz zu schweigen von einigen Kongressabgeordnetenverstanden nicht, wie drei kleine Golfwagen 40 Millionen Dollar kosten konnten. Die Antwort ist simpel. Alle großen Fahrzeughersteller investieren regelmäßig weit höhere Beträge, um neue Pkw-Modelle auf den Markt zu bringen. Würde man von diesen Modellen jeweils auch nur drei Exemplare bauen, wären sie ebenfalls nicht billig. Als es so weit war, erfüllten die Mondfahrzeuge alle Erwartungen und rechtfertigten jeden ausgegebenen Dollar.

Das Apollo-Mondfahrzeug (LRV)

Das von Boeing gebaute Mondfahrzeugweit entfernt von den 10-Tonnen-Schleppern mit geschlossener Kabine für sieben Personen, die in den Collier’s-Artikeln beschrieben wurdenwar ein raffiniertes kleines Transportmittel. Sein Gewicht lag unbeladen bei 209 Kilogramm. Für den Flug zum Mond konnte es wie ein komplexes Spielzeug zusammengeklappt und verstaut werden. Dave Scott sagt: Der Raumbedarf nach dem Zusammenklappen war eins der wesentlichsten Merkmale. In diesem Zustand betrug das Volumen nur etwas mehr als ein Kubikmeter (1,5 × 1,5 × 0,5 m). Nachdem die Astronauten das LRVNASALRVLunar Roving Vehicle auf dem Mond auseinandergeklappt hatten, war es 3 Meter lang, 1,5 Meter breit und bis zur Oberkante der beiden Sitzlehnen etwa 1,5 Meter hoch. Voll beladen mit zwei Astronauten plus ihrer gesamten Ausrüstung wog das Fahrzeug stolze 700 Kilogramm bei einer Bodenfreiheit von ca. 35 Zentimetern. Die Räder hatten Reifen aus Drahtgeflecht und jedes wurde von einem eigenen Elektromotor angetrieben, der rund 190 Watt leistete. Lenkbar waren sowohl das vordere als auch das hintere Paar Räder separat oder gemeinsam, was bei geringer Geschwindigkeit einen Wendekreis ermöglichte, der mit 3 Metern praktisch der Fahrzeuglänge entsprach. Die Armaturen befanden sich zwischen den Sitzen vor den Astronauten. Darunter ein Geschwindigkeitsmesser sowie die Anzeige für Entfernung und Richtung zum letzten Ort, an dem das Navigationssystem initialisiert wurdeimmer eine Stelle in Sichtweite des LMNASALMLunar Module.

Ebenfalls zwischen den Sitzen gab es zum Lenken einen einfachen T-förmigen Handgriff, den beide Astronauten erreichen konnten. Naturgemäß gab keiner der Kommandanten bei den drei J-Missionen das Steuer aus der Hand, ebenso wie keiner der LMPsNASALMPLunar Module Pilot die Etikette verletzte, indem er darum bat, fahren zu dürfen. Auf ebenem, hartem Untergrund schaffte das Fahrzeug 10 bis 12 Kilometer pro Stunde. Das ist nach irdischen Maßstäben nicht gerade atemberaubend. Auf der rauen, von Kratern übersäten Mondoberfläche konnte es bei dieser Höchstgeschwindigkeit jedoch gefährlich werden. Und brenzlige Situationen gab es durchaus. Auf jeden Fall war es eine sehr holprige Fahrt.

In erster Linie sollte das Fahrzeug den Aktionsradius der Astronauten vergrößern, aber es diente auch als Plattform für die wissenschaftlichen Aufgaben. Es gab viel Platz, um Fotoapparate, Filmmagazine, diverse Werkzeuge und Probenbeutel unterzubringen, sowie bei Apollo 17 einen kleinen Empfänger für eins der Experimente. Alle Exemplare waren mit einer Farbfernsehkamera ausgestattet, die von Houston aus ferngesteuert wurde. Wegen der benötigten Bandbreite für das Fernsehsignal war eine Übertragung jedoch nur möglich, wenn die Richtantenne genau auf die Erde zeigte. Daher begann die Fernsehübertragung in der Regel erst, nachdem das Fahrzeug stand. Sowie die Besatzung eine Station erreicht hatte, brauchte sie nur ein paar Sekunden zum Ausrichten der Antenne und konnte an die Arbeit gehen. Dann bediente Ed Fendell (Käpt’n Video) im MSCNASAMSCManned Spacecraft Center die Kamera. Er zoomte oder schwenkte, um entweder die Arbeit der Astronauten zu beobachten oder deren Beobachtungen mit Panoramabildern im Weitwinkelbereich zu ergänzen.

Die Ehre, das erste Auto auf der Mondoberfläche zu fahren, war ursprünglich John Young zugedacht, als Kommandant von Apollo 16. Daher nahmen er und sein Mannschaftskollege Charlie Duke (LMPNASALMPLunar Module Pilot bei Apollo 16) auch an den Vorbesprechungen zur Konstruktion mit Ingenieuren von Boeing und dem MSFCNASAMSFCMarshall Space Flight Center teil. Diese fanden im statt. Zu dem Zeitpunkt, einige Monate vor dem Unfall bei Apollo 13, hatte die NASANASANASANational Aeronautics and Space Administration eigentlich nur eine weitere Besatzung offiziell bekannt gegeben: Alan Shepard, Stuart Roosa und Edgar Mitchell für Apollo 14. Allerdings dienten John Young und Charlie Duke mit Kommandomodulpilot Jack Swigert als Ersatzmannschaft für Apollo 13 und waren damit nach dem üblichen Rotationsprinzip als Hauptbesatzung für Apollo 16 mehr oder weniger gesetzt. Und man ging davon aus, dass dieser Flug die erste J-Mission wäre.

Young und Duke gefiel, was man ihnen präsentierte. Boeing stellte ein sicheres, einfaches Fahrzeug vor, sodass die Astronauten kaum wesentliche Änderungen vorschlagen brauchten. Ein Wunsch betraf den Griff der Steuerung. Boeing gab dem Fahrzeug dafür eine Art Pistolengriff, ähnlich den Steuergriffen in der Landefähre oder dem Kommandomodul. Young und Duke wiesen darauf hin, dass im Fahrzeug die unförmigen Handschuhe getragen werden. Deshalb wollten sie etwas, das man besser greifen konnte. Der Pistolengriff wurde durch einen T-förmigen Griff ersetzt. Außerdem schlug Boeing für die Orientierung im Gelände ein relativ kompliziertes Navigationssystem vor. Ähnlich einem Flugleitsystem sollte es Koordinaten für die entsprechenden Karten anzeigen. Mit viel Zeit und Geld hätte Boeing solch ein System gewiss bauen können. Die Astronauten wandten jedoch gleich ein, dass lediglich Anzeigen für Richtung und Entfernung zum LMNASALMLunar Module nötig waren. Wie sich herausstellte, kostete die Entwicklung des Navigationssystems sehr viel Zeit und verursachte den größten Teil der Mehrausgaben. Doch letztendlich war es das Geld wert. Nicht nur, dass die Astronauten nach Instrumenten zurück zum LMNASALMLunar Module fahren konnten. Viel wichtiger noch, bei den Exkursionen half das Navigationssystem hervorragend, genau die vorgesehenen Stationen für ihre geologische Arbeit zu finden.

Im Sommer unternahmen Young, Duke und einige andere Astronauten Testfahrten mit verschiedenen Prototypen. Im September sorgten dann weitere Budgetkürzungen dafür, dass eine zweite Handwagen-Mission gestrichen wurde und so bekam die eigentlich für diesen Flug vorgesehene Besatzung von Apollo 15, Dave Scott und Jim Irwin, das erste Fahrzeug. Als Boeing im November die erste Trainingsversion des Mondfahrzeugs lieferte, saß Dave Scott am Steuer, um es im rauen vulkanischen Gelände bei Flagstaff, Arizona, auf Herz und Nieren zu prüfen.

Scott wurde für die Gruppe 3 der Astronauten ausgewählt. Er flog als Erster dieser Gruppe in den Weltraum (Pilot bei Gemini VIII mit Neil Armstrong) und auch als Erster der Gruppe das zweite Mal (Pilot des Kommandomoduls von Apollo 9 mit Jim McDivitt und Rusty Schweickart). Im wurde Dave Scott Kommandant der Ersatzmannschaft von Apollo 12, was ihm den Platz in der Warteschlange für eine Landemission sicherte. Zu dem Zeitpunkt zeichnete sich beim Auswahlverfahren für die Besatzungen bereits klar ein Muster ab. Die Ersatzmannschaft kann damit rechnen, zwei Missionen zu überspringen und für die folgende als Hauptbesatzung eingesetzt zu werden. Daher durfte man sicher davon ausgehen, dass Scott und Irvin mit Kommandomodulpilot Al Worden der Mission von Apollo 15 zugeteilt werden, wenn es an der Zeit war. Bei der offiziellen Bekanntgabe am laut Scott wusste es die Besatzung bereits lange davorbefanden sich Scott und Irwin in der komfortablen Lage, die meisten Verfahren schon für Apollo 12 trainiert zu haben. Für ihren eigenen Flug verbrachten sie zwar immer noch viel Zeit in den LM-Simulatoren, konnten aber nahezu ein Drittel des Trainings für Geologie und die Arbeit auf der Mondoberfläche verwenden. Am Tag des Starts waren sie die am besten geologisch geschulte Mannschaft, die bis dahin zum Mond geflogen ist.

Landung nahe der Hadley-Rille

Das für Apollo 15 vorgesehene Gebiet hatte bei den Geologen großes Interesse geweckt. Es bot ein breites Spektrum unterschiedlichster Merkmale, die man untersuchen wollte, und war außerdem von majestätischer Schönheit. Scott und Irwin sollten am Rand des Mare Imbrium (Meer des Regens) landen, in einer kleinen, von hohen Bergen umgebenen Bucht. Wenn Conrad und Bean bei Apollo 12 schon meinten, die Gipfel fast zu streifen, so konnte man das hier erst recht behaupten. Einige Sekunden vor dem Aufrichten, Scott hatte die Landefähre Falcon bis auf 9000 Fuß (2743 m) sinken lassen, begann der rund 3500 Meter hohe Mons Hadley Delta bereits im Fenster vor ihm zu wachsen. Irwin auf der anderen Seite konnte Mons Hadley sehen, der mit seinem über 4000 Meter hohen abgerundeten Gipfel die Landschaft beherrscht. Und um die Pracht der Szenerie noch etwas zu steigern, aus dem linken Fenster sah Dave Scott ein langes gewundenes Stück der Hadley-Rille, eine anderthalb Kilometer breite, V-förmige Schlucht, die sich ihm von Südosten entgegenschlängelte.

Nachdem sich das LMNASALMLunar Module aufgerichtet hatte, knapp vor der Landung, erwartete Scott eine kleine Überraschung. Wie fast überall auf dem Mond ist das Landegebiet zwischen den Bergen und der Rille mit Kratern übersät. Doch sind nur wenige groß oder tief genug, um früh am Morgen Schatten zu werfen. Es gibt nichts, das einem ins Auge springt, wie der Schneemann (Apollo 12) oder Krater Cone (Apollo 14). Am südlichen Rand des Zielgebiets, unmittelbar vor Hadley Delta, erkannte er die sogenannte Süd-Formation. Natürlich sah er auch die Rille vor sich. Aber mittendrin, einige Kilometer nordnordwestlich wo Scott aufsetzen wollte, gab es kaum Landmarken. Von einigen mittelgroßen Kratern hoffte man vor dem Flug, sie würden zum Zeitpunkt der Landung Schatten werfen. So trainierte Scott im Simulator, diese Krater zu erkennen. Wie schon bei Apollo 14 hatten die Hersteller der Karten und Modelle jedoch keine Möglichkeit, das leicht wellige Gelände zu berücksichtigen, was daraus eine Hügellandschaft und die Identifikation kleiner Krater bestenfalls schwierig machte. Der Grund war zum Teil, dass die Landestelle von Apollo 15 ein gutes Stück nördlich des Mondäquators lag und nur Fotos mit geringerer Auflösung zur Verfügung standen, als für die vorangegangenen Missionen. Im Endeffekt erkannte Scott jedenfalls keine der Formationen, an denen er sich orientieren wollte.

Ein klarer Anhaltspunkt wäre schön gewesen, doch die Präzision wie bei Apollo 12 war an diesem Ort nicht so entscheidend. In Houston verfolgte man die Flugbahn des Landemoduls Falcon genau. Unmittelbar vor dem Aufrichten, noch ungefähr 6 Kilometer vom Ziel entfernt, warnte man Scott, dass er etwa einen Kilometer südlich der geplanten Strecke flog. Eine kurze Überprüfung seiner Position relativ zur Süd-Formation und der Stelle, wo die Rille am Fuß von Hadley Delta scharf nach Nordwesten abknickt, bestätigte ihm, dass Houston Recht hatte. Scott korrigierte seine Flugbahn daraufhin leicht nach Norden. Ohne konkrete Orientierungshilfen war eine Punktlandung kaum zu machen, aber die Abweichung wäre gering und würde nicht ins Gewicht fallen. Er war vor der Rille, hatte den richtigen Abstand zum Rand, befand sich nördlich der Süd-Formation und sicher innerhalb des geplanten Bereichs. Ein paar Hundert Meter Entfernung zum exakten Zielpunkt bedeuteten mit dem LRVNASALRVLunar Roving Vehicle nicht viel. Im schlimmsten Fall würden sie bei ihrer ersten Exkursion einige Minuten zusätzlich brauchen, um sich in der Gegend zu zurechtzufinden.

Vorangegangene Besatzungen hatten gleich nach der Landung begonnen, ihre Tornister anzulegen und sich auf eine EVANASAEVAExtravehicular Activity vorzubereiten. Hier machte man es anders. Der Start war früh am Tag erfolgt und man wollte den Schlafrhythmus der Besatzung nicht unbedingt durcheinanderbringen. Das bedeutete, Scott und Irwin sind zum Zeitpunkt der Landung auf dem Mond bereits wach gewesen. Hätten sie noch eine volle EVANASAEVAExtravehicular Activity mit allem drum und dran absolviert, wären beide erst nach insgesamt in ihre Hängematten gekommen. Folglich sah der Flugplan für die nächsten Stunden Aufgaben im Landemodul vor und anschließend Ruhe. Danach würden sie zum ersten Mal aussteigen.

Eine EVA im Standdie SEVA

Um den Tag der Landung auszufüllen, gaben Scott und Irwin den Wissenschaftlern in Houston eine detaillierte Beschreibung der Gegend. Dabei waren sie nicht nur auf den Blick durch die Fenster angewiesen, sondern setzten für einen als EVANASAEVAExtravehicular Activity im Stand angekündigten Außenbordeinsatz ihre Helme auf und zogen die Handschuhe an. (Dave Scott wünscht sich heute, man hätte es Beurteilung des Landegebiets genannt.) Zwei Stunden nach der Ankunft war alles bereit. Die Luft wurde aus der Kabine gelassen, dann öffnete Scott die Andockluke über ihnen. Noch den Fangtrichter für die CSMNASACSMCommand and Service Module(s)-Kopplungssonde aus dem Weg schaffen, nicht ganz unproblematisch in der engen Kabine, und Scott konnte sich auf die Abdeckung des Aufstiegsstufentriebwerks stellen. Kopf und Arme nun außerhalb der Kabine stützte er sich auf den Lukenrand und fotografierte, zunächst mit einem 500-mm-Teleobjektiv, anschließend mit dem üblichen 60-mm-Objektiv. In der oberen Luke stehend, hatte Scott in alle Richtungen uneingeschränkte Sicht bis zum Horizont. Eine Zeichnung von Ulli Lotzmann, Herausragender Dave, illustriert die Situation.

Die Unebenheiten im Gelände traten jetzt noch deutlicher hervor als währen des Anflugs. Scott sah in der näheren Umgebung aber so gut wie keine Gesteinsbrocken, die größer waren als ein paar Zentimeter. Was man aufgrund der nicht vorhandenen frischen, tiefen Krater auch hätte erwarten können. Fahren sollte kein Problem sein, sagte er. Unterwegs wird es vielleicht ordentlich schaukeln, ansonsten dürfte es keine Schwierigkeiten geben. In größerer Entfernung hatte Scott einen klaren Blick auf die Berge, und soweit er sagen konnte, waren die Oberflächen der Hänge außergewöhnlich eben. Bei Silver Spur, einem steilen Bergrücken an der Ostflanke von Hadley Delta, entdeckte er Linienstrukturen, die seiner Meinung nach entweder auf das innere Gefüge oder verschiedene Schichten hinweisen könnten. Doch nirgendwo lagen größere Felsbrocken an den Hängen. Ohne den gewohnten Dunst der Erdatmosphäre begrenzt nur die Sehkraft, welche Details noch erkennbar sind. Bei einer Distanz wie der zu Hadley Delta hätte Scott Felsbrocken größer als einen Meter ausmachen können. In derselben Entfernung nach Norden sah er deutlich die Gesteinsbrocken um den 800-Meter-Krater Pluton, welche beim Einschlag aus dem Grundgestein gesprengt wurden. Die Berghänge waren jedoch sauber. Zu Beginn der ersten EVANASAEVAExtravehicular Activity meinte Jim Irwin, die Gegend erinnere ihn an Sun Valley, ein großartiges Skigebiet in Idaho, und Scott sah überall die grauen abgerundeten Konturen der Berge und Krater. Wie schon bei anderen Besatzungen drängte sich die Ähnlichkeit zwischen Mondstaub und Schnee förmlich auf.

Nach einer halben Stunde verbaler Beschreibung und Fotografieren kletterte Scott wieder in die Kabine, installierte den Fangtrichter und schloss die Luke. Dann begannen beide damit, ihre Anzüge auszuziehen. Zum ersten Mal während einer Apollo-Mission durften die Astronauten auf der Mondoberfläche in Unterwäsche schlafen, für ein paar Stunden vom klammen, unbequemen Druckanzug befreit. Scott und Irwin konnten es sich in den LMNASALMLunar Module-Hängematten richtig bequem machen.

Die zwei schliefen gut und fest in dieser ersten Nacht, wenn auch nicht so lange wie geplant. Sie hatten den Abend vorher eine Stunde länger gebraucht und nun musste Houston sie eine Stunde eher wecken. Der Grund ist ein kleines Sauerstoffleck gewesen, das aber schnell gefunden wurde. Die Kappe der Urinentsorgungsleitung war nicht hundertprozentig dicht. Ein leicht zu behebendes Problem. Scott teilte Houston mit: man schläft ausgezeichnet hier oben. Und falls irgendwo ein kleines Problem auftaucht, nun, wir rollen uns nur zu gern herum und beheben es. Tatsächlich würden wir sogar noch besser schlafen, wenn wir wüssten, dass ihr uns in solchen Fällen ohne Bedenken weckt. Obwohl ihre Nachtruhe später begann und früher endete, sie haben immerhin am Stück fest geschlafen. Um einiges länger, als es allen Besatzungen davor gelang.

Aussteigen für die erste Erkundungsfahrt

Die Vorbereitungen auf den ersten richtigen Außenbordeinsatz liefen gut. Scott und Irwin fanden heraus, wenn sie sich klimmzugartig am gelben Griff an der Kabinendecke festhielten, kamen sie mit den Füßen voran schnell wieder in den Anzug. Eine leichte Übung bei nur einem Sechstel der Schwerkraft. Schon nach dem Weckruf standen sie draußen auf der Mondoberfläche. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Missionen war ihre erste Aufgabe jetzt nicht der Aufbau des ALSEPNASAALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package. Stattdessen sollte das Mondfahrzeug entladen und bereit gemacht werden, um vorher eine geologische Exkursion zu unternehmen. Das Ziel der ersten Fahrt lag rund 4 Kilometer entfernt in dem Gebiet, wo die Rille den Fuß von Hadley Delta berührt. Gewiss hatten die Vorteile des Fahrzeugs ihren Preis, aber der ist sicher nicht zu hoch gewesen im Verhältnis zu dem, was man dafür bekam. Es dauerte nur , bis die Astronauten das LRVNASALRVLunar Roving Vehicle entladen und auseinandergeklappt hatten, und nur eine weitere Stunde, bis es vollständig ausgerüstet war.

Bei der ersten kurzen Testfahrt musste Scott feststellen, dass die Lenkung der Vorderräder nicht funktionierte. Einige Minuten lang wurden verschiedene Schalterstellungen ausprobiert, dann akzeptierte er die Einschränkung, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Im Training hatte er gelernt, das Fahrzeug auch nur mit den ebenfalls lenkbaren Hinterrädern zu steuern. nach der Kabinendekompression waren Scott und Irwin unterwegs. Die Fahrt ist so unruhig gewesen, wie man es querfeldein im Gelände erwarten konnte. Scott sagte schon gleich nach der Landung, die Gegend ist sehr hügelig, an tiefen Stellen sieht man kaum etwas hinter der nächsten Kuppe. Meistens fuhren sie mit 10 Kilometern pro Stunde (10 Klicks). Es ging durch flache Krater, dabei auf und ab schaukelnd und seitlich schwankend. Bei einer späteren Gelegenheit scherzte Irwin, Scotts Fahrweise würde ihn seekrank machen.

Was erwartest du bei einer Fahrt übers Mare! meinte CapComNASACapComCapsule Communicator Joe Allen.

Das Rollen und Stampfen verursachte jedoch keine besondere Aufregung. Andere Situationen dagegen schon. Gelegentlich wurde es brenzlig, wenn sie nach einer Steigung plötzlich einen Krater vor sich hatten, frisch und groß genug, um das Fahrzeug ordentlich durchzuschütteln. Oftmals war Scott nicht mehr in der Lage, rechtzeitig zu reagieren. Dann wurde aus dem LRVNASALRVLunar Roving Vehicle ein bockendes Pferd, das den Reiter abwerfen will, indem alle Räder mehrmals nacheinander vom Boden abprallten. Selbst wenn er es kurz vorher noch kommen sah. Bei Geschwindigkeiten über 5 Klicks konnten scharfe Richtungswechsel das Heck ausbrechen lassen und einen Dreher verursachen. Beide waren jedenfalls ziemlich froh, angeschnallt zu sein.

Allerdings stellten gerade die Sitzgurte ein echtes Problem dar. Niemand hatte vor dem Flug bedacht, dass die Anzüge bei der geringen Schwerkraft auf dem Mond kaum zusammengedrückt werden, wenn die Astronauten Platz nehmen. Leider waren die Gurte nicht verstellbar und lagen sehr eng an. Das absolut notwendige Anschnallen wurde somit zur Herausforderung. Um ihr Pensum zu schaffen, durften sie keine Zeit verlieren. Für Scott galt also, möglichst schnell zu fahren. Er konnte die Fahrt ruhiger gestalten, indem er den Weg vor sich nicht aus den Augen ließ, flache Krater auf direktem Weg durchfuhr und bremste, bevor er Hindernissen auswich. Härtere Stöße gab es trotzdem ab und zu. Ein weiterer Effekt der geringen Schwerkraft war, dass die Stoßdämpfer das Fahrzeug stärker aufschaukelten und die Schwingungen langsamer abnahmen als auf der Erde. Die Fahrt ist vielleicht nicht schnell aber durchaus sportlich gewesen. Zum Glück lagen kaum große Steine im Weg, die man umfahren musste, und auch der Gegenverkehr hielt sich in Grenzen, wie Scott an einer Stelle anmerkte.

Bestimmte Stationen der geologischen Erkundungstour zu finden, wäre aufgrund der reichlich vorhandenen Landmarken auch ohne Hilfsmittel nicht schwer gewesen. Für die Strecke der ersten EVANASAEVAExtravehicular Activity, zum Beispiel, hätte sich Krater St. George als Orientierungspunkt angeboten. Der Krater in der nordöstlichen Flanke von Hadley Delta mit einem Durchmesser von ca. 2 Kilometern lag direkt oberhalb des Zielgebiets und etwas dahinter. Während der Fahrt war er ständig zu sehen, sodass Dave Scott eigentlich nur darauf zufahren brauchte. Aber als Pilot wollte er natürlich testen, was das Navigationssystem des Fahrzeugs leisten kann. Daher versuchten Scott und Irwin, sich auf der Hinfahrt danach zu richten.

Vom Navigationssystem bekamen sie Richtung und Entfernung zum LMNASALMLunar Module angezeigt. Um einen bestimmten Punkt auf der Karte anzusteuern, mussten sie daher zunächst ihre genaue Landeposition kennen. Jede Ungenauigkeit bei der LMNASALMLunar Module-Position führte zu entsprechenden Fehlern bei der LRVNASALRVLunar Roving Vehicle-Position. Scott glaubte zu wissen, wo er gelandet ist. Doch während der Fahrt konnte Irwin keinen der Krater auf der Karte identifizieren, an denen sie vorbeikamen. Sicher wäre es in jedem Fall schwer gewesen, die Karte zu lesen, selbst wenn man die exakte Position der Landefähre gekannt hätte. Erstens gab es nur wenige große und/oder markante Krater in der Nähe. Zweitens ist es auf der Mondoberfläche grundsätzlich nicht einfach, die Größe eines Kraters richtig einzuschätzen. Und drittens musste man Fotos von relativ geringer Auflösung für die Karten verwenden. So ist vielleicht nachvollziehbar, das Irwin sich irritiert am Kopf kratzte, bildlich gesprochen, als schon nach und reichlich 1,5 Kilometern Strecke die Hadley-Rille vor ihnen auftauchte. Sofort war klar, sie befanden sich viel weiter nördlich als gedacht. Entlang der südöstlich verlaufenden Rille sahen sie den scharfen Knick nach Westen und an dieser Stelle auch ihr unmittelbares Ziel, einen Krater mit dem passenden Namen Elbow (deutsch: Ellbogen). Im ersten Moment vermutete Scott, sie hätten sich aus irgendeinem Grund zu weit westlich orientiert, doch solche Einzelheiten spielten hier keine Rolle. Sobald Krater Elbow erreicht war, konnten die Leute im Nebenraum (dem SORNASASORScience Operations Room) mithilfe der Richtungs- und Entfernungsanzeige an einem bekannten Ort alles andere ermitteln. Scott und Irwin sahen inzwischen, wohin sie wollten, drehten nach Süden ab und fuhren am Rand der Rille entlang. später erreichten sie Krater Elbow.

Geologische Feldarbeit am Fuß der Montes Apenninus

Für die Feldarbeit während der ersten EVANASAEVAExtravehicular Activity hatten Scott und Irwin etwas mehr als eingeplant. Davon bei Krater Elbow, den Rest weiter oben am Hang nahe Krater St. George. Unter den Wissenschaftlern herrschte noch keine feststehende Meinung zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Mondes. Doch war man sich im Wesentlichen einig, dass die Berge im Landegebiet von Apollo 15 etwa 4 Milliarden Jahre alt sind. Bei einem gigantischen Einschlag, der das Imbrium-Becken hinterließ, wurden in den ersten Minuten am jetzigen Rand des Beckens riesige Gesteinsblöcke nach oben und außen gedrückt. Dieses Gestein formte den Kern des Gebirges, welchen das Auswurfmaterial des Imbrium-Einschlags anschließend bedeckte.

Bei einem Gespräch über diese Zusammenfassung der Apollo-15-Mission stellte ich Jack Schmitt eine Frage zum Süd-Massiv (im Landegebiet von Apollo 17), wie viel davon umgewälztes Gestein ist und wie viel die Ejektadecke ausmacht. Man weiß es nicht. Wahrscheinlich aber nicht sehr viel im Verhältnis zur Höhe des Berges. Für die großen Becken gilt anscheinend Folgendes. Ab einer gewissen Tiefe gleichen sich lithostatischer Druck und Explosionsdruck aus. Es kommt zu massiven seitlichen Bewegungen und resultierende Bodenwellen verursachen Einstürze an der Oberfläche, die eine Multiringstruktur erzeugen. Wenn es viel Auswurfmaterial gibt, das die Berge bedeckt, würde man keine Ringe sehen. Bei Mare Orientale, das beste Beispiel für ein junges Becken mit Multiringstruktur, sieht man nochMan kann tatsächlich sehen, dass auch zwischen den Ringen Mare-Gebiete entstanden sind. Sicher liegt Auswurfmaterial auf den Gipfeln. Und wir wissen außerdem von Station 6 (bei Apollo 17), glaube ich, dass ein Teil der Einschlagschmelze in Bruchspalten gepresst wird, die sich unter dem Einschlagkrater bilden.

Nach dem Imbrium-Einschlag dauerte es einige Hundert Millionen Jahre, in denen sich das Becken mit Lava füllte. Offenbar eine dünne Schicht nach der anderen und zwischen den jeweiligen Episoden ist vermutlich viel Zeit vergangen. Vor etwa 3 bis 3,5 Milliarden Jahren versiegten die aus dem Mondinneren hervorquellenden Lavaströme. Der Formungsprozess des Mare Imbrium endete. Danach sorgte nur noch der ständige Regen kleinerer Einschlagkörper für Veränderungen. Alles wurde mit einer Regolithschicht bedeckt, welche auf der flachen erkalteten Lava mittlerweile bis zu 5 Meter dick ist. Die Astronauten der Missionen von Apollo 11 zum Meer der Ruhe und Apollo 12 zum Ozean der Stürme hatten repräsentative Proben basaltischer Lava von dort mitgebracht. Scott und Irwin erwarteten, bei Krater Elbow Imbrium-Basalt zu finden. Und weiter oben bei Krater St. George, so hofften die Geologen, würden sie vielleicht Proben der frühen Mondkruste entdecken, die nur wenig nach oben und außen verlagert wurde. Im Gegensatz zur stark geschockten und transformierten Imbrium-Ejekta, die Al Shepard und Ed Mitchel im Fra-Mauro-Hochland vorfanden.

Als die zwei Astronauten bei Krater Elbow mit ihrer Arbeit begannen, wurde sofort klar, wie produktiv eine J-Mission sein würde. Schon bei ihrem ersten Stopp waren Scott und Irwin mehr als 3 Kilometer vom LMNASALMLunar Module entfernt, hatten immer noch reichlich Kühlwasser und Sauerstoff, und viel Zeit. Eine große Auswahl an Werkzeugen stand zur Verfügung, ebenso etliche Kernprobenröhren sowie eine Menge Probenbeutel und Film. Am wichtigsten jedoch, beide fühlten sich ausgeruht. Etwa lang sammelten sie Gesteins- und Bodenproben, machten Dutzende Fotos und beschrieben, was die Fernsehkamera nicht zeigen konnte. Dann ging es weiter.

Ich wünschte, wir könnten uns einen Moment hinsetzen und mit den Steinen spielen, klagte Scott auf dem Rückweg zum Fahrzeug. Schau sie dir an! Dann blieb er stehen, um ein besonders schönes Exemplar zu bewundern, ganz wie Al Bean etliche Monate zuvor. Wie sie glänzen! Funkeln! Meine Güte, was für ein Anblick! Mann!

Komm jetzt, Dave. Es gibt noch jede Menge davon. Laufen wir zurück (zum LRVNASALRVLunar Roving Vehicle). Jim Irwin übernahm es, den Zeitplan im Auge zu behalten, analog zu Pete Conrad bei Apollo 12..

Doch Scott wollte noch nicht. Kann einfach nicht widerstehen, erwiderte er und hob den Gesteinsbrocken auf. Erst dann konnte es weitergehen, um ein paar schöne Sachen bei (Krater) St. George zu holen. Im Laufe des Trainings hatte sich Dave Scott mit wachsender Begeisterung für Geologie interessiert und nun war sein Enthusiasmus nicht mehr zu bremsen.

Kurz hinter Krater Elbow fuhren sie die Flanke von Hadley Delta hinauf. Bis hoch zum Rand von Krater St. George wollten sie nicht, das hätte am Hang eine längere Fahrt quer zum Gefälle bedeutet. Für den Moment ging es nur darum, eine Stelle zu finden, die auf jeden Fall oberhalb des jungen Mare-Materials lag. Je steiler der Anstieg umso langsamer Fahrt. Nach fanden sie das Passende: einen ein Meter großen Felsbrocken etwa 50 Meter über dem Talboden.

Wonach Scott und Irwin Ausschau hielten, waren grobkörnige kristalline Steine, sogenannte Anorthosite, die sich kurz nach der Entstehung des Mondes durch langsames Abkühlen in großer Tiefe gebildet haben. Gestoßen sind sie jedoch auf einen Brocken, sehr ähnlich den Gesteinsproben, die Shepard und Mitchell aus dem Fra-Mauro-Hochland mitgebrachten. Dieses Exemplar aus vielen in einer Grundmasse zusammengebackenen Fragmenten, bezeichnet als Brekzie, entstand vermutlich beim Imbrium-Einschlag oder einem noch früheren Ereignis dieser Art. Da schon der erste größere Fund am Berg eine Brekzie gewesen ist, konnte man davon ausgehen, dass Brekzien weitverbreitet und Anorthosite womöglich eher selten sind. Doch nur ein kompletter Satz Proben würde die Geschichte des Berges erzählen. Also machten sich beide Astronauten mit Harke, Schaufeln, Kameras und Probenbeuteln bewaffnet wieder an die Arbeit. Der Brocken wurde sogar umgedreht, denn Proben des Materials darunter könnten verraten, wie lange er bereits an diesem Ort lag. Und Jim Irwin hämmerte schließlich noch zwei zusammengesetzte Röhren für eine Kernprobe in den Boden.

Der höhere Standort am Hang von Hadley Delta bot eine fantastische Aussicht, sowohl den Astronauten als auch, dank der Fernsehkamera auf dem Fahrzeug, den Zuschauern auf der Erde. Die Berge westlich der Rille und insbesondere Mons Hadley verliehen dem Horizont eine charakteristische Silhouette, ganz anders als bei den bisherigen Landestellen. Gleichzeitig schufen die Gipfel einen optischen Ausgleich zur tiefen Rille, die sich nach Norden vom Berg entfernt. Im Landegebiet war es früh am Morgen, so lagen die östlichen Hänge der Rille noch im Schatten. Aber auf der Westseite und auch teilweise auf dem Boden schien bereits die Sonne. Die Fernsehkamera übertrug nicht alle Details, die Scott und Irwin sahen. Dafür ist die Bildauflösung zu gering gewesen. Trotzdem hatte man auf der Erde ein hervorragendes Bild. Die unzähligen Felsbrocken am Boden der Rille waren groß genug und für alle zu sehen.

Alles in allem verbrachten Scott und Irwin etwa unterhalb von Krater St. George. Es war der mit Abstand längste und produktivste Aufenthalt während einer geologischen Exkursion, den Astronauten auf der Mondoberfläche bis dahin absolviert haben. Hervorragend qualifiziert und ausgerüstet machten sie das Beste aus der begrenzten Zeit. Dazu kam Unterstützung durch die Helfer in Houston. Zum ersten Mal konnten Geologen dort nicht nur Beschreibungen über Funk hören, sondern auch das Geschehen direkt beobachten. Anhand der Fernsehbilder ließen sich keine Minerale oder Texturen im Gestein bestimmen. Doch man sah, was vor sich ging, und hatte so die Möglichkeit, unmittelbar zu reagieren oder wertvolle Hinweise zu geben.

Rückfahrt zum LM

Nachdem sie wieder im Fahrzeug saßen, gab es für Scott und Irwin drei Möglichkeiten für den Rückweg zum LMNASALMLunar Module. Gleich beim Erreichen von Station 2 hatte CapComNASACapComCapsule Communicator Joe Allen gefragt, ob die vom LRVNASALRVLunar Roving Vehicle hinterlassenen Spuren zu erkennen sind. So wäre es vielleicht möglich, den Hänsel-und-Gretel-Trick anzuwenden und einfach den Reifenspuren zu folgen. Scott antwortete darauf, er hätte sich deswegen schon bei Krater Elbow umgedreht und man würde deutlich sehen, wo der ansonsten unberührte Boden vom Fahrzeug aufgewühlt wurde. Da sie zum ersten Mal in dieser Gegend fuhren, konnten auch ältere Spuren nicht irritieren. Die Astronauten kämen auf jeden Fall zurück. Selbst ohne solch einen Hinweis hätten sie kein Problem. Die umgebenden Berge dienten als ausgezeichnete Orientierungspunkte und gewährleisteten, dass man zumindest bis auf Sichtweite an das LMNASALMLunar Module herankam. Dennoch waren alle daran interessiert, das Navigationssystem einem endgültigen Test zu unterziehen. Als Dave Scott bei Krater St. George losfuhr, wollte er auf möglichst direktem Weg die Landefähre erreichen. So direkt, wie es Krater oder andere Hindernisse zuließen.

Am Anfang ging es bergab. Mit anderen Worten, Scott konnte den Weg unmittelbar vor sich gut sehen und wusste, wo er hinfuhr, was den einen oder anderen Kommentar auch zu entfernteren Landschaftsmerkmalen ermöglichte. Besonders interessierte er sich für den Hang links von ihm. Schon beim ersten Blick in die Rille war Scott und Irwin aufgefallen, dass am Hang der Rille unterhalb von Hadley Delta offensichtlich nur Feinschutt lag. Es schien dort, wenn überhaupt, kaum größere Brocken zu geben. Daher wäre das nach seiner Einschätzung die geeignete Stelle, um in die Rille fahrennur eben nicht wieder heraus. Jetzt, aus der Nähe und etwas oberhalb davon, bestätigte sich der Eindruck. Der Hang schien befahrbar und frei von Felsbrocken zu sein. Scott teilte Houston mit, falls irgendjemand noch einmal herkommt und in die Rille hineinfahren will, Joe, schickt ihn vorher zu uns, um das zu besprechen. Denn hier ist eine gute Stelle dafür. Vielleicht wäre er sogar mit einigen Spitzkehren in Serpentinen wieder herausgekommen. Doch waren solche Experimente momentan unangebracht. Tatsächlich dauerte es keine zwei Minuten, bis ihm klar wurde, dass es noch viel zu lernen gab. Auf dem Weg von Krater St. George nach unten fuhren sie über einen Absatz mit etwas weniger Gefälle, und ganz offenbar eine Idee zu schnell. Scott musste plötzlich einem Hindernis ausweichen, das Heck brach aus und das LRVNASALRVLunar Roving Vehicle vollführte eine 180°-Drehung. Nachdem es zum Stehen kam, schauten sie in die entgegengesetzte Richtung den Hang hinauf. Man erinnerte sich an die Bemerkung über das Skigebiet in Sun Valley und eine Technik zum Richtungswechsel beim Skifahren. Irwin verkündete: Wir haben gerade mit einem schönen Parallelschwung gestoppt. Es dauerte einen Moment, bis beide aufhörten zu lachen und weiterfuhren.

Sollten immer noch Zweifel am Navigationssystem des LRVNASALRVLunar Roving Vehicle bestanden haben, so wurden diese nun ausgeräumt. Knapp siebeneinhalb Minuten nach der Abfahrt bei Station 2 sah Jim Irwin in der Ferne das LMNASALMLunar Module glänzen. Die Fähre stand geradeaus vor ihnen, ein kleiner schimmernder Punkt am Horizont und ein höchst erfreulicher Anblick mitten im Nirgendwo.

Schwierigkeiten beim Bohren

und waren seit Beginn der EVANASAEVAExtravehicular Activity vergangen, als Dave Scott und Jim Irwin wieder ankamen beim LMNASALMLunar Module, eine später als geplant. Die Vorgehensweisen auf der Mondoberfläche bei Apollo 15 (Apollo 15 Final Lunar Surface Procedures) sahen vor, dass nun beide ALSEPNASAALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package-Pakete ausgeladen werden und Irwin sie zur vorgesehenen Position trägt, etwa 100 Meter westlich des LMNASALMLunar Module. Während Irwin auf dem Weg ist, nimmt Scott den Bohrer aus dem MESANASAMESAModular(ized) Equipment Stowage Assembly, legt ihn vor dem LMPNASALMPLunar Module Pilot-Sitz auf den Fahrzeugboden, holt die Retroreflektoreinheit (LRRRNASALRRRLaser Ranging Retro-Reflector) und gurtet sie auf dem LMPNASALMPLunar Module Pilot-Sitz fest. Dann fährt er zu Irwin und sucht einen geeigneten Platz für die Zentraleinheit (CSNASACSCentral Station). Die EVANASAEVAExtravehicular Activity sollte insgesamt dauern. Allerdings verbrauchte Scott aus irgendeinem Grund mehr Sauerstoff als erwartet. Nachdem sie von Station 2 zum LMNASALMLunar Module zurückgekehrt waren, bat Joe Allen ihn deshalb weitgehend auf unnötige Bewegungen zu verzichten. Scott wies gleich darauf hin, es könnte schwer werden, dieser Bitte zu entsprechen. Für den größten Teil der verbleibenden Zeit wäre er damit beschäftigt, drei tiefe Löcher zu bohrenzwei für das Wärmeflussexperiment (HFENASAHFEHeat Flow Experiment) und eins für die tiefe Kernprobe. Und wie jeder vom Training her wusste, die Arbeit mit dem Bohrer war ziemlich anstrengend, vermutlich die körperlich anstrengendste Aufgabe überhaupt. In Houston musste man seine Sauerstoffreserven also gut im Auge behalten.

Irwin begann, das ALSEPNASAALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package aufzubauen, und Scott machte sich bereit, zwei Löcher für die Sonden des Wärmeflussexperiments (HFENASAHFEHeat Flow Experiment) zu bohren. Für jedes Loch brauchte er einen Bohrer, der nach und nach aus 6 Segmenten zusammengesetzt werden musste, jeweils 2,73 Zentimeter im Durchmesser und 53 Zentimeter lang. Die Gesamtlänge betrug schließlich etwa 3 Meter. Die Bohrer aus einem Faserverbundwerkstoff (Glasfasern/Borfilamente) waren hohl und unten geschlossen, damit kein Material eindrang. Sie blieben im Boden, um das Bohrloch auszukleiden, sodass die 110 Zentimeter langen Sonden mit ihren Temperatursensoren darin versenkt werden konnten.

Am Anfang funktionierte alles normal. Doch bereits nach wenigen Zentimetern meldete Scott, dass die Festigkeit des Materials im Untergrund zunimmt und er deutlich langsamer vorankommt. Nach weiteren steckte der Bohrer nur 170 Zentimeter tief im Boden. Scott hatte den Eindruck, auf Stein gestoßen zu sein. Was in dem Moment keiner ahnte, das Problem war nicht hartes Gestein, sondern das Werkzeug. Genauer gesagt, die Wendel. Wenn sich der Bohrer drehte, sollte die zweigängige Wendel das abgetragene Material nach oben beförderen. Doch an den Verbindungsstellen der Segmente (Missionsbericht, Abbildung 14-41) wurde sie flacher und verstopfte, was den Materialtransport blockierte. Erst recht etwas tiefer im Boden, wo der Regolith sehr kompakt ist. Infolgedessen blieb der Bohrer stecken.

Scott glaubte nicht, noch weiter zu kommen. In Houston entschied man daher, dass die Bohrung tief genug war. Er sollte die erste Sonde versenken und dann das zweite Loch bohren. Dafür musste das Bohrgerät vom ersten Bohrer getrennt werden. Doch beim Drehen entgegen dem Uhrzeigersinn, um das Bohrfutter zu lösen, drehte sich der Bohrer mit. Scott versuchte mehrmals, ihn mit einer Hand festzuhalten und mit der anderen das Bohrgerät zu drehen. Ohne Erfolg, das Futter saß zu fest. Nach einigen Minuten kam aus Houston Vorschlag, dass er vom Fahrzeug den Gabelschlüssel holen soll, um den Bohrer damit zu fixieren. Scott wusste im ersten Moment nicht, was gemeint war, auch weil CapComNASACapComCapsule Communicator Joe Allen ihn zum Fahrzeug schickte. Es dauerte eine Minute, dann realisierten beide, dass der Gabelschlüssel am Ständer für die Bohrersegmente klemmte, welcher beim Bohren direkt neben Scott stand. Zur großen Erleichterung aller Beteiligten half das Werkzeug. Scott dankte den Leuten im Nebenraum, sichtlich froh, nach diesem unerwartet komplizierten Beginn weitermachen zu können. Man hatte bei der ersten Bohrung mit höchstens gerechnet und letztlich eine Viertelstunde der kostbaren Zeit opfern müssen.

Alle Hoffnungen, die sich Dave Scott hinsichtlich der zweiten Bohrung gemacht haben mag, verflüchtigten sich rasch, denn wie beim ersten Mal war nach 170 Zentimetern Schluss. Weil auch die Zeit knapp wurde, sollte er an dem Punkt aufhören, zumindest für diese EVANASAEVAExtravehicular Activity, und Jim Irwin beim ALSEPNASAALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package helfen. Scott stellte den Retroreflektor (LRRRNASALRRRLaser Ranging Retro-Reflector) auf und fotografierte die ALSEPNASAALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package-Instrumente, um die Aufstellung zu dokumentieren. Danach fuhren sie für den Abschluss der EVANASAEVAExtravehicular Activity zurück zum LMNASALMLunar Module. Bis morgen nach der zweiten Exkursion würden die Spezialisten vielleicht eine Lösung finden, dann könnte man es mit dem Bohrer noch einmal versuchen.

dauerte die EVANASAEVAExtravehicular Activity, als die Astronauten das ALSEPNASAALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package so weit aufgebaut hatten und sich auf den Weg machten. Wegen der geringen Sauerstoffreserven bei Scott wollte Houston sie innerhalb von maximal wieder im LMNASALMLunar Module sehen. Scott machte den Vorschlag, sich nicht mit den Sitzgurten herumzuärgern und versprach, dafür etwas langsamer zu fahren. Jede Minute zählte. Man gewann etwa ohne die Fummelei beim Anschnallen und verlor allenfalls eine durch das gedrosselte Tempo. Nach der Ankunft die Fernsehkamera nicht einzuschalten, brachte ebenfalls ein paar Sekunden.

Die kleinen Einsparungen summierten sich auf rund , welche Scott am Ende der EVANASAEVAExtravehicular Activity gut nutzte. Nachdem alles erledigt und Irwin die Leiter hochgeklettert war, fragte Scott, was er noch tun könnte. Selten um Ideen verlegen, schlug Houston gleich vor, den Sonnenwindkollektor (SWCNASASWCSolar Wind Composition (Experiment)) aufzustellen. Eigentlich sollte Jim Irwin das zu Beginn der zweiten EVANASAEVAExtravehicular Activity tun. Scott erinnerte Joe Allen daran, dass er dieses Experiment zum letzten Mal vor zwei Jahren in der Hand hatte, beim Training in der Ersatzmannschaft für Apollo 12. Der Vorschlag wurde also zurückgezogen. Doch Scott wollte keine Zeit verschwenden oder früher als nötig wieder einsteigen. Er bat Irwin, der oben in der Kabine gerade mit Aufräumen beschäftigt war, durch das rechte Fenster zu sehen und ihm alles zu erklären. Warum den Kollektor nicht schon jetzt aufstellen und so den Forschern mehr Daten verschaffen?

Okay, sagte Irwin. Trag ihn 50 Fuß (15 m) weg.

Okay. Hier ungefähr, heh?

Vielleicht noch ein Stück. Ja. Und jetzt zieh die Stange bis auf die volle Länge. Pass auf, wenn du ans Ende

Das kleine Teil am Ende ist abgefallen.

Ist in Ordnung. Zieh es einfach auseinander.

Okay.

Pass auf, dass du die Folie richtig herum schwenkst, damit sie nicht abfällt.Die Stange einfach verlängern.

Wegen der dicken Handschuhe fühlte Scott nicht, wenn ein Segment einrastete. Dafür sollten rote Markierungen erscheinen und ihm die richtige Länge anzeigen.

Okay, rot, rot, rot. Rot, bestätigte er. Okay, das ist wirklich einfach.

Jetzt musste die Folie, das eigentliche Experiment, wie ein Fensterrollo nach unten gezogen werden.

Irwin erklärte: Und nun die ... nicht den Draht, sondern die Verstärkung am Folienrand über den Haken ziehen.

Okay, sehe ich. Der untere Folienrand ist eingehängt, meldete Scott und fügte erfreut hinzu: Da steht Sonne. Daher nehme ich an, diese Seite soll zur Sonne zeigen.

Nettes kleines Experiment, nicht? meinte Irwin.

Ja, solche Experimente finde ich gut.Okay, wir sind hier weit genug weg, dass vom Fahrzeug kein Staub auf die Folie geschleudert werden kann. Jetzt zur Sonne drehen und in den Boden stecken.

Nach dem Ärger beim Bohren tat es gut, zur Abwechslung etwas Einfaches ohne Probleme abzuhaken. Die leichte Stange wäre auch als Kernprobenröhre geeignet, teilte Scott mit. Schnell in den Boden gesteckt und fertig.

Okay, Joe, der Sonnenwindkollektor (SWCNASASWCSolar Wind Composition (Experiment)) ist aufgestellt. Die waren um.

Der Tag ist nicht ganz so gelaufen, wie Scott sich gewünscht hätte. Es gab einige Schwierigkeiten und sie mussten geplante Arbeiten verschieben oder ganz streichen. Scott wollte geologisch arbeiten und im Fahrzeug die Gegend erforschen, aber die Sauerstoffsituation schränkte ihn ein. Er fragte, ob er irgendetwas tun könnte. Gab es einen Reißverschluss, der geschmiert werden müsste, um besser abzudichten? Nein, teilte Houston mit, der Anzug hatte kein Leck. Nach den Daten war seine Stoffwechselrate höher als erwartet und ließ den Sauerstoffverbrauch ansteigen, sowohl bei der Arbeit als auch beim Sitzen im Fahrzeug.

Okay, gut, dann atme ich morgen etwas weniger, bot er an.

Derartig radikale Maßnahmen wären übertrieben, versicherte ihm Joe Allen. Beide, Scott und Irwin, hätten eine ganze Reihe neuer EVANASAEVAExtravehicular Activity-Rekorde aufgestellt: draußen auf der Mondoberfläche, produktiver geologischer Arbeit bei einer maximalen Entfernung von über 3 Kilometern zum LMNASALMLunar Module. Wenn die zwei folgenden EVAsNASAEVAExtravehicular Activity genauso liefen, würde sich niemand beschweren.

Raus aus den Anzügen

Dave Scott brachte es in der Kabine später einmal auf den Punkt. der Trick, um hier oben (im LMNASALMLunar Module) zurechtzukommen, ist, die Anzüge loszuwerden. Es macht einen Riesenunterschied. Nach einem langen Arbeitstag die ständig reibenden und drückenden Anzüge auszuziehen, ist eine große Erleichterung gewesen. Endlich konnten sie sich ausstrecken, Arme, Beine und Finger bewegen, ohne den Gegendruck des Anzugs zu spüren, und ihre Unterwäsche trocknen lassen. Der Nachteil: Es gab noch weniger Platz in der Kabine. 1/6 der Erdanziehung konnte erholsam und behaglich sein, sogar Spaß machen. Außer in den Hängematten. Im engen LMNASALMLunar Module hatte man kaum etwas von der geringen Schwerkraft. Es bot einen Platz zum Essen, für die Wartung und Vorbereitung der Ausrüstung, ohne dabei die hinderlichen Handschuhe tragen zu müssen, und zum Schlafen.

Keinen Anzug tragen zu müssen war sicher angenehm. Am nächsten Morgen, erholt und trocken, wollten sie trotzdem unbedingt wieder hinein und weitermachen. Dave Scott hatte sich von der Geologie begeistern lassen. Der folgende Tag sollte ihm Gelegenheit geben, dieser Begeisterung freien Lauf zu lassen. Am Ende wurde es einer der denkwürdigsten Tage des gesamten Apollo-Programms.

Man wollte nach wie vor die zweite Bohrung für das Wärmeflussexperiment (HFENASAHFEHeat Flow Experiment) beenden und auch die tief gebohrte Kernprobe stand noch auf dem Plan. Bevor Scott und Irwin sich hinlegten, wurde in der Besprechung mit Houston jedoch verabredet, diese Arbeiten ans Ende der EVANASAEVAExtravehicular Activity zu verschieben. Wie geplant wären sie die ersten wieder im LRVNASALRVLunar Roving Vehicle nach Süden unterwegs, um zu forschen und Proben zu sammeln. Eigentlich sah Dave Scott seine Hauptaufgabe auf dem Mond darin, die Vorteile des Fahrzeugs voll auszunutzen. Je weniger also das LRVNASALRVLunar Roving Vehicle am LMNASALMLunar Module oder beim ALSEPNASAALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package geparkt herumstand, umso besser.

Die zweite EVA

Der Tag begann mit zwei kleineren Problemen. In der Nacht war am Wasserspender ein Kunststoffteil gebrochen, der Bakterienfilter, und einige Liter Wasser sind ausgelaufen, die vor der Kabinendekompression aufgewischt werden mussten. Dann hatte Irwin, als er am Tag zuvor in die Kabine kletterte, seine PLSS/OPS-Antenne abgebrochen. Mit Klebeband konnten Scott und Irwin sie wieder befestigen. Beides kostete nicht allzu viel Zeit und nach dem Aussteigen wartete zur Abwechslung eine positive Überraschung auf sie. Man wollte zunächst am LRVNASALRVLunar Roving Vehicle eine bestimmte Schalterstellung ausprobieren, als zu Scotts großer Freude die scheinbar defekte Lenkung der Vorderräder plötzlich doch funktionierte.

Denkst du, ich weiß nicht, was letzte Nacht passiert ist, Joe?, fragte Scott seinen CapComNASACapComCapsule Communicator Joe Allen. Ihr habt ein paar Marshall-Jungs hochgeschickt, die das reparieren sollten, stimmt’s? Er unterstellte, dass Boeing heimlich eine Rakete gebaut und eigene Techniker zusammen mit Leuten vom MSFCNASAMSFCMarshall Space Flight Center zum Mond geschickt hatte, um das LRVNASALRVLunar Roving Vehicle instand zu setzen.

nach dem Wecken und nach der Kabinendekompression fuhren sie los. Scott brauchte einen Moment, bis er sich an die mitlenkenden Vorderräder gewöhnt hatte und kurze Zeit später hielt er sogar an, um die hintere Lenkung zu entkoppeln. Die Lenkung würde zu schnell ansprechen, teilte er mit, vor allem bei Gefälle. Bald merkte er jedoch, dass die Hinterräder eher driften, anstatt in der Spur zu bleiben. Offenbar waren vier lenkende Räder wirklich besser als zwei. Letztendlich kam Scott schnell damit zurecht.

Die zweite Exkursion startete wieder in Richtung Süden. Scott fuhr auf eine Gruppe mittelgroßer jüngerer Krater am unteren Hang von Mons Hadley Delta zu. Mit Glück würden sie dort unverfälschte Proben der ursprünglichen Mondkruste entdecken, die ihnen bei Krater St. George nicht ins Netz gegangen sind. Um Fragmente des Grundgesteins zu bekommen, musste man einen Krater finden, der groß genug und nicht zu alt ist. Groß genug, dass die Regolithschicht beim Einschlag durchstoßen wurde. Und noch nicht so alt, dass die Gesteinsbrocken von eben der Massenbewegung schon wieder begraben wurden, die den Hang der Hadley-Rille unterhalb von Krater St. George geglättet hat.

Auf der Fahrt nach Süden dominierte der Berg die Aussicht. Scott staunte: Das ist einer der größten Berge, die ich je vor mir hatte. Am unteren Hang liegt die Steigung zwischen 8° und 10°. Weiter oben werden die Berghänge sehr viel steiler und reichen so hoch, dass es an den Fujiyama in Japan erinnert. Auf maximal 7 Kilometern horizontaler Strecke beträgt der Höhenunterschied 3500 Meter, was einer Neigung von knapp unter 30° entspricht. Weil der überwiegende Teil des Berges so steil ist, rollt bei Einschlägen herausgesprengtes Material mindestens ein kurzes Stück hangabwärts. Als Dave Scott und Jim Irwin sich dem Bereich näherten, wo das flache Mare an den Berg grenzt, fiel ihnen tatsächlich eine deutliche Veränderung der Mondoberfläche auf. Ungefähr 300 Meter bevor sie den Fuß von Hadley Delta erreichten, bemerkten sie, dass die Anzahl der Krater stark abnimmt und viel weniger kleine Steine auf dem Boden liegen. Die wahrscheinlichste Erklärung ist wohl, dass Auswurfmaterial von Einschlägen an den Hängen oder abgerutschter Schutt alles begraben hat.

Unmittelbar am Fuß des Berges fuhren Scott und Irwin in eine flache, von Ost nach West verlaufende Senke, für die es wenigstens zwei mögliche Erklärungen gibt. Nach einer Theorie entstand sie, als das Becken mit Lava gefüllt wurde, die beim Abkühlen schrumpfte und sich dabei vom Berg zurückzog. Erosion durch Einschläge glättete den resultierenden Spalt und vom Hang abrutschendes Material füllte ihn auf. Eine andere Theorie besagt, dass Hadley Delta nach seiner Entstehung beim Imbrium-Einschlag begann einzusinken. Die Senke markiert somit die Bruchlinie, eine Vertiefung, die sich immer weiter öffnet und gleichzeitig langsam aufgefüllt wirdebenfalls mit Geröll, das am Hang nach unten rutscht.

Wie schon beim LMNASALMLunar Module hielten Scott und Irwin Ausschau nach frischen Kratern und Felsbrocken am Berghang. Aus der Nähe würden sie mehr Details erkennen, das hofften sie jedenfalls. So viel mehr Details gab es aber gar nicht zu sehen. Einmal Krater Spur, relativ jung, Durchmesser rund 85 Meter, wo sie den größten Teil der Proben einsammeln wollten. Und weiter hatte eigentlich nur noch ein Objekt während der Fahrt zum Berg ihre Aufmerksamkeit erregt. Etwas oberhalb des Kraters lag ein großer Felsbrocken. Ansonsten ähnelte die Oberfläche dort einem trockenen, sandigen, gut besuchten Strand mit sanften Hügeln und kaum noch erkennbaren flachen Kratern.

Der Missionsplan sah vor, westlich von Krater Spur ein Stück den Hang heraufzufahren, dann links abzubiegen und entlang dieser Höhenlinie etwa 3 Kilometer in Richtung Osten zu fahren. Auf die Art bekämen Scott und Irwin einen ersten Eindruck von der Vielfalt des vorhandenen Materials, bevor sie am entferntesten Punkt der Tour anhielten, um bei Krater Front Proben zu sammeln. Zurück sollten sie mehr oder weniger denselben Weg nehmen. Auf halber Strecke zwischen Front und Spur war der nächste Stopp geplant, und ein weiterer bei Krater Spur selbst. Allerdings reichte die Zeit für dieses Programm nicht aus. Der erhöhte Sauerstoffverbrauch bei Scott musste berücksichtigt werden und man wollte auch noch die Bohrarbeiten zu Ende bringen. Houston fragte also nach, ob sich der weite Weg lohnt, anstatt in der Zeit Proben zu sammeln. Scott und Irwin stellten schnell fest, dass an diesem Hang ein Platz so gut ist wie jeder andere, abgesehen von einigen Stellen bei jüngeren, auf der Karte bereits markierten Kratern. Sie waren schon links an Krater Spur vorbei, nach Osten abgebogen und den Hang hochgefahren. Jetzt standen beide ziemlich genau auf einer Höhe mit dem großen Felsbrocken und ca. 300 Meter östlich davon. Es gab keinen ersichtlichen Grund, noch weiter nach Osten zu fahren. Repräsentative Proben würden sie hier vermutlich ebenso finden wie anderswo. Scott parkte das LRVNASALRVLunar Roving Vehicle und man ging an die Arbeit. Es sollte ein ausgedehnter, geologisch so interessanter wie ertragreicher Aufenthalt werden.

Ein grüner Stein bei Mons Hadley Delta

Am Hang zu arbeiten, stellte eine gewisse Herausforderung dar. Ohne den Anzug hätten die Astronauten wohl oft seitlich gestanden, das obere Bein leicht gebeugt, um die Neigung auszugleichen. Im steifen Anzug war das jedoch auf Dauer sehr strapaziös und sie nahmen die meiste Zeit eine weniger anstrengende Position ein, etwas vorgelehnt mit dem Gesicht zum Berg. Scott und Irwin merkten auch schnell, dass eigentlich nur der weiche Boden die Arbeit am Hang überhaupt ermöglichte, weil sie dadurch mit ihren Schuhen etwas einsanken und so mehr Halt bekamen. Gelegentlich dienten kleine Krater als Absatz, um vorübergehend aufrecht stehen zu können. Daher war es eine große Erleichterung, als beide später den Standort wechselten. Sie liefen hangabwärts zu einem 12-Meter-Krater mit flachem Bodenungefähr 15 Meter vom Fahrzeug entfernt und 3 Meter tiefer liegend in dem sie arbeiten konnten, ohne ständig das Gleichgewicht halten zu müssen.

Nach einer Stunde erfolgreicher Arbeit sollte es weitergehen. Scott und Irwin hatten jede Menge Gesteinsproben eingesammelt, welche größtenteils den Brekzien vom Fra-Mauro-Hochland ähnelten. Ein Graben war angelegt worden und sie hatten viel fotografiert, sowohl Panorama-Bildserien als auch Bilder mit Teleobjektiv von Mons Hadley und dem LMNASALMLunar Module. Eine ganz neue Erfahrung machte Jim Irwin mit einer Kernprobe am Nordrand des 12-Meter-Kraters, wo sich die Röhre ausgesprochen leicht von Hand in den lockeren Boden schieben ließ. Nur ein Problem gab es. Zum Fahrzeug mussten sie den Berg wieder hoch. Scott, mir gegenüber immer als hünenhaft beschrieben, rackerte sich nach oben, während Irwin seine Zeit brauchte. Scott meinte lachend, Ich hätte nicht laufen wollen (vom Fuß des Berges) bis hier hoch. Irwin teilte diesen Gedanken und schlug vor: Ab jetzt arbeiten wir nur noch oberhalb des Fahrzeugs. Zurück beim LRVNASALRVLunar Roving Vehicle konnten sie zum Glück Platz nehmen und sich während der Fahrt kurz erholen.

Auf dem Weg zum Felsbrocken schien es Jim Irwin doch keine so gute Idee zu sein, unterhalb des Bereichs zu parken, wo sie arbeiten wollten. Zumindest nicht in diesem Fall. Der Brocken war 1 Meter hoch, 1 Meter breit, 3 Meter lang, zum Teil vergraben und lag offenbar schon seit Millionen Jahren an diesem Platz. Trotzdem fiel es leicht, sich vorzustellen, wie der Fels ins Rutschen kommt und über das Fahrzeug oder sie selbst hinwegrollt. Die Hangneigung dort beträgt immerhin 15°. Nirgendwo sonst waren sie in steilerem Gelände unterwegs, eine gewisse Vorsicht schien daher angebracht. Scott parkte 15 Meter westlich und etwas oberhalb des Felsbrockens. Allerdings tauchten schon bald weitere Probleme auf, die das Gefälle mit sich brachte.

Beide hatten Schwierigkeiten, aus dem Fahrzeug zu kommen. Nachdem das geschafft war, fand Scott keine Stelle, wo er sicher stehen konnte, um die Antenne auf die Erde zu richten. In Houston begann man sich zu fragen, ob sie es von dort unten, wo der Felsen lag, wieder hoch zum LRVNASALRVLunar Roving Vehicle schaffen. CapComNASACapComCapsule Communicator Joe Allen mahnte zur Vorsicht.

Hey, Leute, empfahl er. Vielleicht solltet ihr euch bergab nicht allzu weit vom Fahrzeug entfernen, wenn überhaupt.

Nein, ist nicht weit, beruhigte Scott.

Um sich zu vergewissern, gab es nur eine Methode. Irwin blieb zur Sicherheit beim Fahrzeug, während Scott am Hang den besten Weg nach unten suchte.

Irwin meinte zuversichtlich: Ich denke, mit Seitwärtsschritten müssten wir es wieder nach oben schaffen.

Ist gar nicht so schwer, antwortete Scott, immer noch unterwegs nach unten.

Für gewöhnlich hielt man sich in Houston mit Anweisungen zurück. Aber dies war definitiv keine gewöhnliche Situation und Joe Allen drängte Scott, wieder zurück nach oben zu kommen, bevor er sich zu weit entfernt hatte. Scott sah das ein: Okay. Ich bin auf halber Strecke und laufe erst mal wieder hoch (zum Fahrzeug). Bleibst du bitte dort stehen, Jim?

Okay, stimmte Irwin zu.

Ich komme zurück bergauf, kündigte Scott an. Das geht im Fahrzeug so viel besser!

Stimmt, erwiderte Irwin und fügte hinzu: Wir hätten gleich daneben parken sollen.

Und das schien auch die beste Idee zu sein. Scott kam wieder hoch, um das Fahrzeug umzuparken. Irwin hielt es für sinnvoller, nach unten zu laufen, anstatt im LRVNASALRVLunar Roving Vehicle Platz zu nehmen. Wegen des prallen Anzugs ging das nur, indem er sich neben das Fahrzeug stellte und seitlich auf den Sitz sprang, was jedoch an dieser abschüssigen Stelle schwer sein dürfte. Irwin hatte Scott aufmerksam beobachtet und war sicher, dass er dort hinlaufen kann, ohne in Schwierigkeiten zu geraten. Als Dave Scott im Auto saß, wollte Irwin los, wurde aber nach wenigen Schritten angehalten. Für Scott war es am einfachsten, das LRVNASALRVLunar Roving Vehicle zunächst im Rückwärtsgang ein paar Meter nach Osten zu bewegen, bevor er den Hang vorwärts nach unten fährt. Irwin sollte aufpassen, dass nichts passiert, bis das Fahrzeug wieder sicher stand.

Joe Allen ermahnte sie erneut: Seid bitte äußerst vorsichtig.

Oh, selbstverständlich, beruhigte ihn Scott. Wir machen das hier ganz in Ruhe.

Superruhig, forderte Allen.

Superruhig, bestätigte Scott.

Wie sieht es aus, Jim?, fragte er beim Rückwärtsfahren.

Alles in Ordnung. Soll ich rüberkommen und einsteigen?

Nein, nein. Bleib dort.

Scott lenkte das Fahrzeug langsam den Hang hinunter, erst ein Stück nach Westen, dann in einem Bogen nach Osten bis unterhalb von Irwins Position. Anschließend fuhr er den Abhang entlang am Felsbrocken vorbei, immer noch oberhalb davon, und mit einer Kurve weiter nach unten. Letztendlich parkte das LRVNASALRVLunar Roving Vehicle östlich und etwas unterhalb des Felsbrockens.

Trotz allem bezweifelte Scott, dass man bei dem Felsbrocken arbeiten kann. Die neue Parkposition war alles andere als sicher, denn das linke Hinterrad hing gute 15 Zentimeter über dem Boden. So wollte er das Fahrzeug nicht unbeaufsichtigt stehen lassen. Es könnte sich verselbstständigen und nach unten wegrollen. Scott schlug deshalb vor, den Brocken lieber auszulassen.

Doch egal welche Entscheidung sie treffen würden, auf dem Weg nach unten musste Irwin daran vorbei. Er hielt an, um wenigstens ein paar Fotos zu machen, als ihm ein hellgrüner Bereich auffiel. Irwin schlug vor, das Fahrzeug zu halten, damit Scott den Stein genauer untersuchen konnte. Grünes Gestein war außergewöhnlich genug, dass der bessere Geologe von beiden einen Blick darauf werfen sollte. Scott stimmte sofort zu. Irwin kam zum Fahrzeug, und nachdem er es fest im Griff hatte, brach Scott auf.

Der Felsbrocken war grün. Und es war eine Brekzie. So weit so gut. Scott sammelte ein paar Fragmente ein sowie etwas von dem Lockermaterial, das den Stein umgab und das, wie Irwin schon bemerkte, ebenfalls einen grünlichen Farbstich hatte. Den späteren Untersuchungen im Labor zufolge enthielten die Fragmente viel eisenreiches und magnesiumreiches Glas, was den grünen Farbton erzeugte. Reichlich beschäftigte sich Scott mit dem Stein, dann lief er vorsichtig wieder bergab zum Fahrzeug. Am Hang zu arbeiten strengt an und im Nachhinein wäre es für die Wissenschaft kein großer Verlust gewesen, hätte man den Brocken links liegen lassen. Weiter unten bei Krater Spur fanden Scott und Irwin ähnliches Gestein. Aber sie hatten aus praktischer Sicht eine wichtige Erfahrung gemacht. Mit etwas Umsicht beim Parken des LRVNASALRVLunar Roving Vehicle ist es den Astronauten möglich, auch an Hängen zu arbeiten, die so steil sind wie dieser. Die Astronauten von Apollo 17 arbeiteten während ihrer dritten EVANASAEVAExtravehicular Activity die meiste Zeit sogar an Hängen, die noch steiler waren.

Scott hatte beim Umparken das LRVNASALRVLunar Roving Vehicle bewusst mit der Front in Richtung Gefälle abgestellt. Dadurch wäre das Einsteigen leichter, so hoffte er. Irwin schlug vor, dass zunächst Scott einsteigt, während er das Fahrzeug weiter festhält. Scott schaffte es gleich beim ersten Versuch und machte seinerseits den Vorschlag, dass Irwin kurz dort stehen bleibt. Er wollte einige Meter bergab in einen kleinen Krater fahren, wo das Fahrzeug relativ gerade stand, damit Irwin leichter aufspringen konnte. Irwin bot sogar an, die 240 Meter bis Krater Spur nach unten zu laufen, darauf ging Scott jedoch nicht ein. Als die flache Stelle erreicht war, schwang sich Irwin problemlos auf den Sitz des nun gerade stehenden Fahrzeugs. Zum zweiten Mal zeigten die Astronauten von Apollo 15, welche Vorteile kleinere Krater haben.

Genesis Rock

Dank der Größe von Krater Spur fand sich am nördlichen (tiefer liegenden) Rand eine große Parkfläche fast ohne Gefälle. Das erleichterte die Arbeit an diesem Platz nicht nur ungemein, sie war darüber hinaus auch sehr einträglich.

Gleich am Anfang bemerkten Scott und Irwin, es gab dort noch mehr von dem grünlichen Boden. Irwin begann sich zu fragen, ob womöglich das goldbeschichtete Sonnenschutzvisier den Grünstich verursachte. Was, wenn die Proben zu Hause ausgepackt werden und kein Grün mehr zu sehen ist? Man würde sie ewig damit aufziehen.

Ich muss zugeben, für mich sieht es tatsächlich auch grün aus, Jim. Nur kann ich nicht glauben, dass es wirklich grün ist, meinte Scott

Irwin erwiderte lachend: Eine tolle Geschichte.

Darauf Scott: Die Mär vom grünen Käse? Wer soll uns das abkaufen?

Beiden kam derselbe naheliegende Gedanke und sie schoben die Visiere hoch. Nachdem ihre Augen sich auf die extreme Helligkeit eingestellt hatten, verblasste das Grün ein wenig, doch sie waren sich einig. Wie Irwin sagte, es war definitiv ein anderer Grauton. Zwei Proben wanderten in Beutel, bevor die Aufmerksamkeit der Astronauten anderen interessanten Dingen galt. Nebenbei bemerkt, die Proben sahen auch noch grün aus, als man sie später im Labor untersuchte.

Sie waren eine dort und suchten den Kraterrand ab, um eine möglichst umfassende Probenauswahl von diesem Bereich zusammenzustellen. Da fiel ihnen etwas Besonderes auf. Auf einer Brekzie als Podest saß ein Stein, ungefähr 10 Zentimeter groß, in der Sonne glitzernd, der ihnen regelrecht zurief: Komm, heb mich auf. Aus der Nähe betrachtet gab es keine Zweifel, was da vor ihnen lag. Der kristalline Stein bestand nahezu komplett aus dem Mineral Plagioklas und war vollkommen andersartig als die Brekzien oder Mare-Basalte, die sie bis dahin gesammelt hatten.

Ich glaube, wir haben gefunden, weswegen wir hergekommen sind. meldete Scott.

Was wir gefunden haben, sieht sehr nach einem Anorthosit aus, berichtete Scott hocherfreut, denn es ist kristallines GesteinEr besteht fast ganz aus Plagioklasen. Was für ein Prachtstück.

Scott und Irwin verpackten ihren Fund, der als Genesis Rock bekannt wurde, mit größter Sorgfalt. Zu Hause versuchten die Medien unterdessen, seine wissenschaftliche Bedeutung zu vermitteln. Nachdem der sogenannte Wettlauf zum Mond gewonnen war, hatte das Interesse des amerikanischen Publikums am Apollo-Programm stark abgenommen. Für die Öffentlichkeit stand allenfalls die Frage nach der Entstehungsgeschichte des Mondes noch im Raum. Die von Apollo 11 und Apollo 12 mitgebrachten Proben aus den Mare-Gebieten erlaubten den Geochemikern eine Altersbestimmung der Lavaströme, welche die Meere füllten. Bei Apollo 14 fanden Shepard und Mitchell Brekzien, die allgemeine Vermutungen über Alter und Zusammensetzung des Auswurfmaterials großer Becken wie das Mare Imbrium bestätigten. Was bislang fehlte, war ursprüngliches Gestein der frühen Kruste. Mit einfachen Worten, man suchte nach dem ältesten Gestein. In gewisser Weise bekam dieses älteste Gestein eine ähnliche Bedeutung wie der Heilige Gral oder der Stein von Rosette. Dass nun etwas gefunden wurde, betrachteten viele als den Schlusspunkt des Apollo-Programms. Zwei letzte Flüge sollte es noch geben, die einige Details hinzufügen und so das Bild abrunden würden, aber nach Meinung der Öffentlichkeit war die Suche zu Ende. Erfreulicherweise mussten Scott und Irwin nicht umgehend nach Hause eilen, sobald sie dieses ursprüngliche Gestein entdeckt und eingepackt hatten. Ein anorthositischer Brocken von einer einzelnen Stelle liefert keine umfassende Darstellung. Untersuchungen ergaben außerdem, dass auch Genesis Rock, seit er tief in der Mondkruste durch langsame Abkühlung entstand, mindesten zweimal in den letzten rund 4 Milliarden Jahren geschockt worden ist. Im Taurus-Littrow-Tal, der Landestelle von Apollo 17, fanden Gene Cernan und Jack Schmitt ein sogar noch älteres Fragment. Trotzdem blieb Genesis Rock ein wichtiges Teil des Puzzles. Scott und Irwin waren hochzufrieden mit ihrem Erfolg. Im Training hatten sie gelernt, Ungewöhnliches von Gewöhnlichem zu unterscheiden, wie Dave Scott es später ausdrückte, wobei auf das Erkennen von Anorthosit besonders Wert gelegt wurde. Den sollten sie vorrangig suchen und bereits nach Arbeit im Feld hielten sie einen in der Hand.

Am Ende waren es bei Krater Spur insgesamt vier anorthositische Gesteinsfragmente, von denen Genesis Rock nur das erste und größte gewesen ist. Unter anderem zog Irwin mehrmals die Harke durch den Boden. Im Korb dieses Werkzeugs blieb Geröll ab Walnussgröße hängen und bei einem der Züge, etwa 2 Fuß (61 cm) lang, erwischte er ganze 15 Fragmente. Ein Jackpot! wie Joe Allen es nannte. Darunter eben auch drei weitere Anorthositfragmente sowie Brekzien, mehrere Basaltstücke, die vermutlich aus der Mare-Ebene hoch zum Krater geschleudert worden sind, und einige Exoten, welche aus noch weiter entfernten Gebieten stammten.

Zurück zum LM

Der Aufenthalt bei Krater Spur war einer der Höhepunkte des gesamten Apollo-Programms. Auf dem Rückweg zum LMNASALMLunar Module gab es dann eine kleine Schrecksekunde. Sie erreichten die Süd-Formation und hielten für ein paar Minuten an, um Krater Dune zu erkunden. Als Dave Scott Proben einpacken wollte, fehlte an Irwins Tornister der Sammelbeutel (SCBNASASCBSample Collection Bag). Er musste ihn unterwegs verloren haben. Scott konnte sich jedoch schnell wieder entspannen, denn er hatte die wertvollsten Steine unter dem LMPNASALMPLunar Module Pilot-Sitz verstaut, bevor sie Spur verließen.

Nun ja, mal bekommt man, mal verliert man, lautete seine Erkenntnis.

Zurückfahren und nach dem Beutel suchen, kam nicht in Frage, auch wenn sie nur den Reifenspuren folgen brauchten. Die Zeit war zu kostbar. Und einige Minuten später erinnerte sich Scott auch wieder, dass kein Beutel verloren gegangen ist. Während sie sich bei Krater Spur auf die Abfahrt vorbereiteten, hatte er bei Irwin den vollen SCBNASASCBSample Collection Bag zwar abgehängt, aber keinen leeren wieder angehängt.

Okay. Mann, du hast mir vielleicht einen Schreck eingejagt, meinte Irwin.

Ja, ich bin selbst erschrocken, antwortete Scott erleichtert. Mir war klar, dass auf keinen Fall die wichtigen Steine verloren sind, weil ich diesen Beutel (SCB-3NASASCBSample Collection Bag) unter den (LMPNASALMPLunar Module Pilot-)Sitz gepackt habe. Doch ich dachte, ich hätte danach auch einen (leeren SCBNASASCBSample Collection Bag) angehängt bei dir. Jetzt fällt es mir wieder ein. Ich wollte, aber dein Gurtband scheint kaum noch zu halten. Darum kam er an den Werkzeughalter (HTCNASAHTCHand Tool Carrier), wo man die Haken verriegeln kann. Also ist alles in Ordnung.

Joe Allen entschuldigte sich daraufhin. Wir wussten es die ganze Zeit, Dave, und hätten es dir sagen sollen, gestand er und fügte hinzu: Aber wir wollten dir nicht widersprechen.

Die Fahrt zum LMNASALMLunar Module verlief danach ohne weitere Vorkommnisse, eine willkommene Pause an diesem arbeits- und ereignisreichen Tag. Für die Wissenschaftler in Houston gab es viel zu beschreibenBeschaffenheit der Proben, Eindrücke von der Umgebung und Mons Hadley, der sich hinter der Landefähre erhobaber das strengte nicht an.

Zwischendurch mal zu sitzen, ist wirklich angenehm, nicht?, meinte Scott.

Irwin antwortete prompt: Auf jeden Fall.

Immer schön im Wechsel, resümierte Scott lachend. Man steigt aus, arbeitet wie verrückt, steigt wieder ein und kann sich im Sitzen erholen.

Unterwegs tauchte bereits ab und zu das LMNASALMLunar Module vor ihnen auf. Von Krater Spur ausetwa 60 Meter höher und nicht ganz 5 Kilometer entfernthaben Scott und Irwin nur einen Punkt wahrgenommen, der im Sonnenlicht glänzte. Es beruhigte, dass die Anzeigen für Fahrtrichtung und Peilung übereinstimmten, wenn sie das Fahrzeug darauf ausrichteten, denn keiner der beiden wollte sich auf seine Schätzungen verlassen. Ohne vertraute Objekte wie Bäume, Telefonmasten oder Häuser zum Vergleich ist es dort praktisch unmöglich, Größen und Entfernungen richtig zu beurteilen. Während der Fahrt warf Scott das Handtuch. Ich weiß einfach nicht mehr, wie groß groß ist. Dem Navigationssystem konnten sie allerdings vertrauen. Als es noch 2,4 Kilometer bis zum LMNASALMLunar Module anzeigte, waren schon einige Details am Landemodul zu erkennen. Nach kamen die Astronauten wieder zu Hause an, mit weiteren 85 Pfund (38,6 kg) Gesteins- und Bodenproben im Gepäck.

Erst das Vergnügen, dann die Arbeit

Wenn Scott im ersten Teil der EVANASAEVAExtravehicular Activity eben die geologische Arbeit tun durfte, die ihm so viel Spaß machte, so war das Bohren mehr eine Strafe. Und Irwin bekam die ausgleichende Gerechtigkeit zu spüren, indem er eine Reihe von Experimenten zur Bodenmechanik abarbeiten musste. Er wünschte sich fast, mit Scott tauschen zu können. Die Anweisungen zu den Experimenten umfassten immerhin fünf Seiten seiner Checkliste am Arm. Zum Vergleich, für die geologische Arbeit bei einer Station reichten sonst zwei Seiten.

Scott sagte zu Joe Allen: Bevor wir heute Morgen ausgestiegen sind, dachten wir uns schon, dass ihr ein Komplott gegen uns schmiedet und Jim die ganze Arbeit von Station 8 machen lasst, während ich bohren soll.

Bei den Experimenten zur Bodenmechanik ging es darum, Stabilität und Tragverhalten des Regoliths zu untersuchen sowie detaillierte Informationen zu erhalten, welche für die Planung einer späteren Mondbasis nützlich sein könnten. Wissenschaftler und Ingenieure verfügten bereits über einen ansehnlichen Datenbestand, indem sie aus der Analyse verschiedenster Quellen ihre Schlussfolgerungen zogen. Die Tiefe von Fußabdrücken oder Reifenspuren, wie weit Kernprobenröhren in den Boden gedrückt und/oder gehämmert werden konnten, die Stabilität der Seitenwände von Gräben, angelegt bei Apollo 12 und Apollo 14, oder das einfache Penetrometer (ASPNASAASPApollo Simple Penetrometer) von Apollo 14 lieferten bis dahin gute Anhaltspunkte. Bei Apollo 15 sollte Jim Irwin diese Ergebnisse mit quantitativen Messungen ergänzen. Ein selbstaufzeichnendes Penetrometer (SRPNASASRPSelf-Recording Penetrometer) maß und speicherte, welche Kraft Irwin aufwendete, um die Kegelspitze am unteren Ende eines Stabes in den Boden zu drücken und welche Tiefe er dabei erreichte. Es stellte sich heraus, der Boden war dort genauso stabil und kompakt wie bei allen anderen Landestellen. Ein Fakt, der zumindest nachträglich den Schluss zulässt, dass Dave Scott nicht nur am schlechten Bohrerdesign gescheitert ist, sondern auch in ausgesprochen festen Boden bohren musste.

Seit Scott am Tag zuvor das Bohren unterbrochen hatte, versuchten die NASANASANASANational Aeronautics and Space Administration-Experten eine Lösung zu finden. Man schlug vor, beim Bohren keinen Druck auszuüben, und sobald der Bohrer begann steckenzubleiben, sollte Scott ihn hochziehen, um die Wendeln vom Schutt zu befreien. Was aber leider nicht funktionierte. Selbst wenn er das Gerät ohne Druck einfach festhielt, stoppte der Bohrer fast augenblicklich und sehr viel Kraft war nötig, um alles auch nur ein wenig nach oben zu ziehen. Der Bohrer zieht mich nach unten, sagte Scott, als das Gerät einschaltet war. Er zog mit aller Kraft, schaffte es jedoch gerade mal, den Bohrer ein paar Zentimeter herauszuziehen. Das schien für einen Moment zu helfen, bis er wieder stecken blieb, fester als vorher, wie in einem Schraubstock.

Scott hatte kaum noch Kraft in den Händen und in Houston entschied man, endgültig damit aufzuhören. Vermutlich dachten alle, man wäre noch ein bisschen tiefer gekommen, doch beim Versenken der HFENASAHFEHeat Flow Experiment-Sonde stellte Scott fest, sie glitt nur einen Meter weit in die Röhre. Denn Folgendes war passiert. Beim Anheben des Bohrers löste sich die Verbindung der zwei unteren Bohrersegmente, das unterste blieb stecken und das obere rutschte etwas höher. Beim Weiterbohren wurde der verkürzte Bohrer vom unteren stecken gebliebenen Teil zur Seite abgelenkt und beide Teile verkeilten sich. Außerdem verstopfte eindringendes Material das unten offene Segment (Abbildung 14-43 des Missionsberichts). Kurz gesagt, der Vorschlag aus Houston hatte alles nur noch schlimmer gemacht. Letztendlich konnte das HFENASAHFEHeat Flow Experiment den Forschern dennoch brauchbare Messwerte liefern, obwohl die Interpretation der Daten, insbesondere von der zweiten Sonde, wegen der außergewöhnlichen Umstände sehr viel komplizierter war. Die Ergebnisse des Wärmeflussexperiments bei Apollo 15 entsprachen den Ergebnissen des gleichen Experiments bei Apollo 17.

Das HFENASAHFEHeat Flow Experiment stand. Scott unterbrach seine Arbeit für einen Moment und fotografierte, während Irwin einen Graben anlegte. Nach ungefähr einem Fuß (30 cm) wurde der Boden so fest, dass Irwin beinah überzeugt war, auf massiven Fels gestoßen zu sein. Scott holte einen kleinen Probenbehälter (SESCNASASESCSpecial Environmental Sample Container), den Irwin mit Lockermaterial vom Grund des Grabens befüllte, bevor der Behälter luftdicht verschlossen wurde. Danach machte Scott sich auf, sein Lieblingswerkzeug, wie er es ironisch nannte, wieder in die Hand zu nehmen. Denn die tiefe Kernprobe musste noch gebohrt werden. In Houston konnte niemand sagen, ob die Batterie im Bohrgerät die nächste längere Pause zwischen EVA-2NASAEVAExtravehicular Activity und EVA-3NASAEVAExtravehicular Activity übersteht. Daher galt: Jetzt oder nie.

Das Bohren an sich funktionierte dieses Mal gut. Hauptsächlich, weil dieser Bohrer aus Titan bestand und an den von vornherein mit einem Gewinde versehenen Segmentverbindungen keine stärkere Wandung brauchte. Nach wenigen Minuten hatte Scott mit allen sechs Segmenten die maximale Tiefe von 240 Zentimetern erreicht. Dann gab es erneut Probleme. Zwar drehte sich der Bohrer, wenn das Gerät kurz eingeschaltet wurde, doch in den Wendeln sammelte sich wieder Bohrschutt und Scott schaffte es nicht, ihn herauszuziehen. Wie dem auch sei, das Loch war gebohrt und die Röhre enthielt aller Voraussicht nach einen detaillierten Querschnitt der oberen Bodenschichten. Wobei die Länge dieser Kernprobe etwa der halben Strecke bis zur Lavaschicht unter dem Regolith entsprach. Da sich die Sauerstoffreserven bei Scott rapide verringerten, war es nun jedoch höchste Zeit, zum LMNASALMLunar Module zurückzukehren. Die Kernprobe musste stecken bleiben, bis man am nächsten Tag versuchen würde, sie zu bergen.

Alles hat seinen Preis

Vieles bei dieser Mission ist neu gewesen, man hatte also noch keine Erfahrungen sammeln können. Hauptsächlich aber führten die Schwierigkeiten beim Bohren dazu, dass Dave Scott und Jim Irwin am Ende der zweiten EVANASAEVAExtravehicular Activity rund und zurücklagen. Wieder in der Kabine blieben ihnen , um die Aufgaben im Anschluss an diesen Außenbordeinsatz abzuarbeiten, etwas Schlaf zu bekommen, die dritte EVANASAEVAExtravehicular Activity zu absolvieren und schließlich nach dem letzten Einsteigen von der Mondoberfläche zu starten. Das ist nicht viel Zeit gewesen. Und weil die Missionsleitung aus guten Gründen sowohl auf einer vollen Ruhepause als auch auf einem pünktlichen Start bestand, musste EVA-3NASAEVAExtravehicular Activity gekürzt werden. Weniger Wichtigesu. a. die geplante Nachbesprechung der zweiten EVANASAEVAExtravehicular Activity zu wissenschaftlichen Fragenwurde gestrichen, doch der Zeitplan blieb eng. Am nächsten Morgen war der Rückstand nur um reichlich geschrumpft und man rechnete mit einer EVANASAEVAExtravehicular Activity, die um die dauern sollte anstatt der geplanten sechs. Joe Allen rückte die Dinge ins rechte Licht, als er darauf hinwies, alle Missionsziele mit der höchsten Priorität seien bereits erreicht. Ohne allzu große Übertreibung sagte er: dass 100% der wissenschaftlichen Hauptaufgaben schon bei der ersten oder spätestens am Anfang der zweiten EVANASAEVAExtravehicular Activity abgehakt waren. Ab hier ist alles nur noch die Sahne auf dem Kuchen und wir sind ganz entspannt. Geht es locker an und viel Spaß bei interessanten geologischen Entdeckungen. Habt einen schönen Tag.

nach dem Wecken hatten Scott und Irwin gefrühstückt und waren mitten in den Vorbereitungen auf ihre letzte EVANASAEVAExtravehicular Activity, während man ihnen von Houston aus den Tagesplan erläuterte. In den ersten würden sie dem Flugplan folgen. Das heißt, in Richtung Westen zur Rille fahren, um Proben zu sammeln und zu fotografieren. Dann sollten sie allerdings gleich zum LMNASALMLunar Module zurückkehren, ohne bei den Kratern der Nord-Gruppe gewesen zu sein. Man hatte auf Bildern der Nord-Gruppe, die im Orbit fotografiert wurden, schwache Indizien möglicher vulkanischer Aktivitäten nach der Entstehung des Mare-Gebiets ausgemacht und gehofft, dort Belege dafür zu finden. Den Besuch der Nord-Gruppe zu streichen war so unvermeidlich wie enttäuschend. Darum bat Scott, wenigstens die Möglichkeit für einen kurzen Abstecher offenzuhalten. Joe Allen versicherte, die Bitte sei angekommen: Ist notiert. Möglich, dass wir dort hochfahren können. Sehen wir einfach, wie es läuft.

Man hatte Scott und Irwin erst vor geweckt und sie standen schon wieder draußen auf der Mondoberfläche. Die Ausrüstung der Tornister sowie des Fahrzeugs mit Werkzeugen und Probenbeuteln war schnell geschafft. Bereits nach der Kabinendekompression fuhren sie los. Doch bevor man sich auf den Weg zur Rille machen durfte, wartete noch eine gar nicht so kleine Aufgabe. Die tiefe Kernprobe musste aus dem Bohrloch gezogen werden. Beide konnten bloß hoffen, dass die Pechsträhne mit dem Bohrer sich nicht fortsetzte.

Sie hofften vergebens. Es bewegte sich nichts, auch nicht, als beide zusammen an den Griffen zogen. Sie ließen das Gerät für einige Sekunden laufen, um den Bohrer dadurch vielleicht zu lockern. Doch Scottlachend über die unfreiwillig komische Situationstellte fest, der Bohrer Zieht mich gleich wieder mit runter. Tatsächlich lieferte die Batterie immer noch Strom und Scott meinte sarkastisch: Wenn ich das Bohrgerät einschalte, Joe, dann passiert genau das, der Bohrer bohrt. Wie es bei einem Bohrer eben sein soll.

Ein Werkzeug wäre hilfreich gewesen. Irgendeine Mechanik, um etwas mehr Kraft zu übertragen. Solch ein Hebelwerkzeug gab es jedoch erst bei Apollo 16. Scott und Irwin mussten sich auf ihre eigenen Muskeln verlassen. Mit Ellenbeugen und Schultern unter den Griffen ruckten sie den Bohrer zentimeterweise nach oben. Immer wieder zählen und auf drei gemeinsam ziehen bzw. drücken. Nach keimte Hoffnung auf.

Okay, er kommt, sagte Scott. Er kommt. Okay. Ich muss hier drunterkommen. Okay, 1, 2, 3.

Noch einmal, feuerte Irwin an.

1, 2, 3. Okay. Ich hab ihn. Okay. Ich behalte ihn auch gleich.

Ein letztes Mal griffen beide den Bohrer und zogen ihn endgültig heraus. Was niemand wusste, Scott hatte sich bei der Anstrengung heftig die Schulter gestaucht. Aber der Auftrag war erledigt, das allein zählte, und eine Schulter heilt schneller, als die unschöne Erinnerung an eine im Mondboden stecken gebliebene Kernprobenröhre verblasst. Trotz Verletzung ist Scott in der Lage gewesen, die noch anstehenden Tagesaufgaben ohne Probleme zu meistern. Er sah keinen Grund, Houston gegenüber die gestauchte Schulter zu erwähnen. Es galt eine letzte EVANASAEVAExtravehicular Activity erfolgreich abzuschließen und im LMNASALMLunar Module konnte er eine Schmerztablette nehmen.

Als die zwei Astronauten sich mit dem Bohrer abquälten, wollte Scott von Houston eigentlich nur eins wissen: Dass der Aufwand gerechtfertigt ist. Es dauerte eine Weile, bis er etwas sagte, doch seinem Tonfall war die Frustration gelegentlich anzumerken. Nachdem sie den Bohrer draußen hatten, reagierte Scott einigermaßen schroff, als Irwin gebeten wurde, weiterzumachen und den Graben zu fotografieren. Leicht gereizt und völlig untypisch für ihn wies er Allen zurecht: Joe, warte doch einen Moment, bis wir damit fertig sind. Wir bitten dann schon um die nächsten Anweisungen.Halte dich einfach zurück und sei uns nicht ständig voraus. Dann müssen wir auch nicht dauernd nachfragen, was du gerade gesagt hast.

Joe Allen, ganz gewiss der diplomatischste aller Astronauten, die als EVANASAEVAExtravehicular Activity-CapComNASACapComCapsule Communicator an der Konsole gesessen haben, lenkte sofort ein. Verstehe dich laut und deutlich, antwortete er.

Damit hätte die Angelegenheit enden können. Wäre die Zwinge am Heck des Fahrzeugs verwendbar gewesen. Das kleine Ausrüstungsteil hatte eigentlich nur einen Zweck, den Bohrer zu halten, während mit dem Gabelschlüssel ein Segment aus dem anderen geschraubt wird. Aber Scott stellte fest, dass die Zwinge nicht griff. Er packte den Kernbohrer mit einer Hand und schaffte es, die oberen drei Segmente voneinander zu lösen. Nur für die unteren drei reichte Muskelkraft nicht aus. Sie waren am längsten verbunden und beim Bohren so fest zusammengeschraubt worden, selbst mit Irwins Hilfe ließen sie sich ohne Werkzeug nicht trennen. Scott fiel plötzlich auf, weshalb die Zwinge nicht griff. Sie wurde verkehrt herum montiert. Was insofern ziemlich verwunderte, da die Konstruktion der Halterung nur eine Richtung bei der Montage erlaubte. Wie sich herausstellte, lag der Ursprung des Fehlers in einer falschen technischen Zeichnung. Bei der Trainingsversion des Fahrzeugs funktionierte die Zwinge, weil man sie beim Zusammenbau anders herum auf dem Fahrzeug montierte, als in der Zeichnung dargestellt. Ob versehentlich oder weil der Fehler aufgefallen ist, lässt sich nicht sagen. Die Techniker, die das Fahrzeug für Apollo 15 gebaut haben, wussten jedenfalls nichts davon und die Zeichnung wurde auch nicht korrigiert. Infolgedessen hatten Scott und Irwin auf dem Mond ein Werkzeug, das nicht zu gebrauchen war.

Sie beschäftigten sich bereits eine damit. Schließlich kam die Anweisung aus Houston, die noch verbunden Kernbohrersegmente auf dem Boden abzulegen und mit ihrem Programm weiterzumachen. Irwin vermutete, sie könnten die drei Segmente am Stück mit ins LMNASALMLunar Module nehmen, wobei Scott sich fragte, ob sie in das Kommandomodul passen würden. In Houston hatte man dazu fürs Erste nichts zu sagen. Scott hingegen wollte noch einmal darauf hinweisen, wie viel Zeit sie für die Kernprobe geopfert haben.

Hey, Joe, du hast nie erwähnt, wie wichtig die Bohrung ist. Sag mir einfach, sie ist wirklich so wichtig. Dann würde ich mich sehr viel besser fühlen.

Sie ist so wichtig, Dave, bestätigte Joe Allen

Okay. Gut. In dem Fall habe ich die Zeit wohl nicht verschwendet.

Woraufhin Allen erklärte: Nein. Im Ernst, Dave und Jim, das ist mit Sicherheit die tiefste Kernprobe, die wir vom Mond bekommen. Und sie umfasst vielleicht einen Zeitraum, der so lang ist, wie der Mond überhaupt existiert.

Unmittelbar nach der Rückkehr von Apollo 15 wurde der Bohrkern durchleuchtet und Scott präsentierte die Röntgenbilder in einer Pressekonferenz. Er hatte durch mehr als fünfzig Schichten gebohrt, ein außergewöhnliches Protokoll der Ereignisse, welche diesen speziellen Querschnitt erzeugten. Untersuchungen der tiefen Kernproben von Apollo 15, Apollo 16 und Apollo 17 brachten detaillierte Erkenntnisse zum besseren Verständnis der allgemeinen Prozesse, die solche Schichten entstehen lassen. Im Zusammenhang mit qualitativen Beobachtungen zur Tiefe von Kratern, bei deren Entstehung Fragmente des Grundgesteins an die Oberfläche geschleudert wurden, stärken diese Details das Vertrauen in verschiedene Prognosen, wie zu den vorherrschenden Gesteinsarten im Untergrund. Das ist interessant für Ingenieure bei der Konstruktion einer Mondbasis, die halb oder ganz im Boden vergraben werden soll. Die Untersuchungsergebnisse sind auch hinsichtlich des Abbaus von Bodenschätzen relevant, wenn große Mengen des Oberflächenmaterials verarbeitet werden müssen. Aus dem Regolith kann Wasserstoff und Kohlenstoff gewonnen werden, ebenso wie das vom Sonnenwind abgelagerte Helium-3. Von daher betrachtet war es auf jeden Fall die Mühe wert, obwohl dadurch die Chance für Scott und Irwin auf den Abstecher zur Nord-Gruppe zunichtegemacht wurde. Natürlich durfte keiner davon ausgehen, dass man während der ersten so ambitionierten Mission nicht mit Problemen konfrontiert wird. Verglichen mit dem Unfall, der die Besatzung von Apollo 13 die Landung und fast das Leben kostete, war der Verlust einer Stunde kaum der Rede wert. Ein Besuch der Nord-Gruppe wäre schön gewesen, doch alle Astronauten auf der Mondoberfläche litten unter Zeitmangel und niemand schaffte alles, was mit der vorhandenen Ausrüstung möglich war. Ein kurzer Aufenthalt zwingt zu Kompromissen.

Die Serie der Ärgernisse fand noch kein Ende. Im Anschluss an die Extraktion des Bohrers stand eine Testfahrt auf dem Programm. Für die Ingenieure von Boeing und dem MSFCNASAMSFCMarshall Space Flight Center sollte Scott mit dem LRVNASALRVLunar Roving Vehicle die verschiedenen Geschwindigkeiten sowie das Fahrverhalten demonstrieren, während Irwin die Manöver filmte. Bei der ersten Vorbeifahrt bemerkte Irwin, dass die 16mm-Filmkamera (LDACNASALDACLunar Surface Data Acquisition Camera) nicht funktionierte. Der Geduldsfaden riss und Scott entschied von sich aus, den Grand Prix abzusagen. Die Filmaufnahmen mussten bis Apollo 16 warten und so lange hatten die verbalen Beschreibungen der Leistungsfähigkeit zu genügen. Offensichtlich funktionierte das Fahrzeug hervorragend.

In Houston stimmte man sofort zu.

Wir haben es versucht, sagte Allen. Fahren wir weiter zu Station 9. Werfen wir in Ruhe einen genauen Blick auf die Rille.

Ja, gute Idee, antwortete Scott, ganz darauf aus, endlich loszufahren. Die beste Idee, die du heute Morgen gehabt hast.

Rima Hadley

Die EVANASAEVAExtravehicular Activity dauerte bereits und , als die Astronauten sich endlich auf den Weg machten. Da man inzwischen ziemlich genau wusste, wo sie gelandet sind, rechneten Scott und Irwin mit einer relativ kurzen Fahrt. Bis zur Rille waren es rund 2 Kilometer und abhängig vom Gelände würden sie etwa brauchen. Während der EVANASAEVAExtravehicular Activity im Stand (SEVANASASEVAStand-Up Extravehicular Activity) hatte Scott einen guten Eindruck von der Landschaft rund um das LMNASALMLunar Module bekommen, außer in Richtung Westen. Schon bei Apollo 12 sorgte der Oppositionseffekt dafür, dass Conrad und Bean lange brauchten, um Krater Head direkt vor ihnen zu identifizieren. Hier behinderte er Dave Scott bei der Beurteilung des Geländes in Richtung Rille und jetzt, während der Fahrt dorthin, konnten sie nur vermuten, dass die Landschaft dem Gebiet südlich der Landefähre ähnelte. So kamen die drei aufeinanderfolgenden Senken etwas überraschend. Im Verhältnis zur Umgebung eher flach, mit Hangneigungen von lediglich 3°, waren sie trotzdem bis zu 200 Fuß (61 m) tief. Genug um Scott auf einen Umweg zu zwingen.

Die Oberfläche, berichtete Scott, ist flach, aber gleichzeitig auch ziemlich uneben. Flach in unmittelbarer Nähe aber uneben im größeren Maßstab.

Man kann leicht den Überblick verlieren, fügte Irwin hinzu. als fährt man über hohe Dünen in der Wüste. Anders als auf dem Weg zu Hadley Delta, da war immer das LMNASALMLunar Module zu sehen, wenn man sich umdrehte.

In dem Abschnitt der Rille, auf den Scott und Irwin zufuhren, liegt der westliche Rand ca. 30 Meter tiefer als der östliche. Daher sahen sie den hinteren Abhang nur gelegentlich von hohen Stellen aus. Nach Fahrt, etwa einen Kilometer vor ihrem Ziel, war der gegenüberliegende Rand für einen Moment zu sehen. Dann wieder bei einem kurzen Stopp neben einem kleinen jungen Krater mit weniger markantem Randwall, wo Proben gesammelt wurden.

Auf den letzten 200 bis 300 Metern ging es leicht bergab. Sie fuhren auf eine Reihe hellgrauer Felsbrocken zu, die eine deutliche Kante markierten, und sowohl Größe als auch Anzahl der aus dem lockeren Boden ragenden Gesteinsbrocken nahmen immer weiter zu. Schon lange vor Apollo 15 vermuteten die Geologen aus mehreren Gründen, dass Rima Hadley ursprünglich eine Lavaröhre war, die sich bildete, während Lava das Mare Imbrium füllte. Möglich ist auch, sie entstand aus einer Verwerfung oder einem Verwerfungssystem, mehr oder weniger parallel am westlichen Hang von Hadley Delta entlanglaufend, und wurde durch dünnflüssige Lava eher erodiert anstatt gefüllt. Was auch immer zu ihrer Entstehung führte, nachdem die Lava aufhörte zu fließen, sorgten ständige Meteoriteneinschläge für Zerstörungen an Röhrendecke, Rändern und Seitenwänden. In dem Kanal sammelten sich Trümmer und Schutthalden wuchsen am Fuß der Wände, deren obere Kanten unterdessen stetig nach außen wanderten. Mit etwas Glück gibt es Stellen, wo der Talus nicht bis zur Oberkante reicht. Scott und Irwin könnten dann vielleicht auf der gegenüberliegenden Seite Schichten erkennen, beschreiben und fotografieren. Schichten, welche die Abfolge der einzelnen Lavaströme beim Auffüllen des Mare dokumentieren. Weder Zeit noch Ausrüstung gestatteten eine Expedition in die Rille hinein, ähnlich einer Tour in den Grand Canyon, um die Schichtenfolge aus der Nähe zu untersuchen. Man hoffte jedoch, sie würden genug sehen und Fotos machen, um den Geologen neue Einblicke in die Geschichte der Mare-Ablagerung zu verschaffen.

Die in Richtung Süden fotografierten Bilder zeigen, dass der Schutt fast überall den Rand der Rille beinah erreicht hat. Trotzdem sahen Scott und Irwin auf der anderen Seite, nicht weiter als einen Kilometer entfernt, einige Aufschlüsse und erkannten die deutliche Schichtung. In den oberen 60 Metern der gegenüberliegenden Wand konnten sie wenigstens ein Dutzend Schichten unterscheiden. Und wo die Rille den entsprechenden Knick machte, waren ähnliche Bereiche auch auf ihrer Seite zu sehen.

Bei unserem Gespräch über die Zusammenfassung der Apollo-15-Mission fragte ich Jack Schmitt, warum diese Aufschlüsse überhaupt zu sehen waren. Ist die Rille vielleicht zu jung, dass der Talus den Rand noch nicht erreicht hat?

Jack erklärte: Wegen der Einschläge verbreitert sich die Rille. Weil aber die Wände eher steil sind, gibt es eine höhere statistische Wahrscheinlichkeit, dass die Trümmer bis zum Grund fallen, anstatt auf den Wänden liegen zu bleiben. So erhalten sich Aufschlüsse an manchen Stellen, wenn sie nicht von einem großen Einschlag getroffen werden, der gleich den ganzen Bereich zerstört. Die Rille entstand vermutlich aus einer Lavaröhre. Solche Röhren sind manchmal geschlossen, manchmal aber auch oben offen, abhängig von der Dynamik des jeweiligen Lavastroms. Es ist erstaunlich, wie die Röhren sich selbst erhalten. Die Erosion durch Aufschmelzen hält sie wahrscheinlich offen und geschmolzenes Material überzieht die Wände, sodass Schichten im dahinterliegenden Gestein verdeckt werden. Sobald irgendwann keine Lava mehr fließt, lassen Einschläge die eventuell vorhandene und relativ dünne Decke einstürzen. Dann wird auch die erkaltete Schmelze auf den Wänden abgetragen und die Schichtung kommt wieder zum Vorschein.

Ich wollte wissen, ob die Beständigkeit der vertikalen Wände auf unterschiedlich hartes Gestein hinweist, wie bei den Tafelbergen in New Mexico. Jack fügte hinzu: Darum erkennt man die Schichten. Das Innere der Lavaströme ist vermutlich weicher als die äußeren Bereiche (die durch Wärmeabstrahlung schneller auskühlen), weil das Material dort langsamer erkaltet. Das Äußere ist in der Regel dichter und härter, auch wenn es wiederum davon abhängt, wie viel Blasen das Gestein enthält. Jeder Lavastrom hat seine eigene Geschichte. Nimmt man die Proben von Apollo 12, die anscheinend aus dem tiefen Inneren eines Lavastroms stammen und größere Kristalle aufweisen, so sind diese Steine relativ mürbe (bröckelig). Das gilt ebenso für Proben von Apollo 11, die ich als Gabbro bezeichne, um sie wegen ihrer Textur von Basalt zu unterscheiden.

Die Fahrt zum Rand der Rille ermöglichte nicht nur einen Blick auf das Gefüge des unter dem Regolith liegenden Grundgesteins sondern brachte auch neue Erkenntnisse zur inneren Struktur der Regolithschicht selbst. Auch wenn sich der Regolith nicht überall vollkommen gleichmäßig verteilt, die Schicht ist im Schnitt um die 5 Meter mächtig. Das zeigen sowohl seismische Signale, erzeugt von den im ALSEPNASAALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package/LMNASALMLunar Module-Bereich umherlaufenden Astronauten, als auch die Tiefe der Krater, bei deren Entstehung Fragmente des Grundgesteins zutage gefördert wurden. Scott und Irwin sahen jedoch klare Anzeichen dafür, dass die Regolithschicht immer dünner wurde, je näher sie der Rille kamen. Diese Abnahme ist ganz simpel eine Folge des Vorhandenseins der Rille. In ebenem Gelände verteilt sich die Ejekta eines Kraters nach dem Einschlag in alle Richtungen. Anschließend wird er langsam wieder mit Auswurfmaterial von späteren Einschlägen in der unmittelbaren Umgebung gefüllt. Auf die Art bleibt die durchschnittliche Mächtigkeit mehr oder weniger gleich, solange kein außergewöhnlich heftiges Ereignis stattfindet. Nahe der Rille fällt ein Teil der Ejekta in die Schlucht, ohne durch Material ersetzt zu werden, dass von dort wieder herausgeworfen wird. Die Rille füllt sich langsam und je näher man dem Rand kommt, umso dünner ist die Regolithschicht. Dadurch entsteht einerseits ein Gefälle in Richtung Rille und andererseits wächst die Zahl der Steine, die auf der Oberfläche liegen. Dicht an der Kante gibt es in einem ca. 25 Meter breiten Streifen kaum noch Lockermaterial und der Boden ist übersät mit Brocken, die praktisch unmittelbar auf dem Grundgestein liegen. Und es war das Grundgestein, hinter dem sie her gewesen sind.

Die Bodenfreiheit des LRVNASALRVLunar Roving Vehicle betrug nur 14 Zoll (35,6 cm), weshalb Scott und Irwin auf dem Regolith ein gutes Stück vor der Rille parkten. Zunächst beschrieben und fotografierten sie die gegenüberliegende Seite, dann liefen beide nach unten zu den Gesteinsbrocken am Rand. Scott war überzeugt, es handelt sich um Grundgestein. In Houston hatte man so großes Interesse daran, dass bereitwillig ein späterer eher konventioneller Stopp im Mare-Gebiet gestrichen wurde, um hier etwas länger bleiben zu können. Die Astronauten machten Fotos und sammelten Gesteinsproben. In der Nähe des Fahrzeugs harkten sie die Oberfläche nach kleineren Steinen durch, verpackten etwas Lockermaterial in Probenbeuteln und rammten zwei Kernprobenröhren in den Boden. Insgesamt brachten Scott und Irwin über hundert Gesteinsproben von dort mit. Alles basaltische Fragmente des Grundgesteins, mit Ausnahme von sechs Brekzienfragmenten, welche ihrerseits jedoch zum größten Teil aus Basaltstücken bestanden.

Die Arbeit an der Stelle war ertragreich und machte Spaß. Es gab eine klare Zielsetzung. Und weil dieser Ort so viel versprach, gewährte man ihnen mehr Zeit, sodass beide ohne allzu große Hast arbeiten konnten. Scott und Irwin hatten nicht, wie bisher an den Hängen, mit großen Gefällen zu kämpfen, weshalb sich auch die körperliche Belastung in Grenzen hielt. Darüber hinaus offerierte der Ort jede Menge interessanter Details, ihre geologischen Kenntnisse kamen hier voll zur Geltung. Es war ein würdiger Höhepunkt der Mission. Als beide wieder im Fahrzeug saßen, verlieh Scott seiner Freude und heiteren Stimmung Ausdruck: Mann, ich werde 1/6 g vermissen. Das ist wirklich klasse.

Die Uhr tickte. Nach Arbeit ging es weiter. Sie fuhren etwas über 200 Meter nordwestlich am Rand entlang zum nächsten Stopp, wo Scott eine weitere Serie stereoskopischer Teilbilder von der gegenüberliegenden Seite der Rille fotografieren sollte. Der Aufenthalt dauerte nicht lange. Es ging nur darum, schnell die Fotos zu machen. In Houston wollte man beide höchstens später wieder beim LMNASALMLunar Module haben. Bis zum Start von der Mondoberfläche hatten sie nicht mehr ganz und es gab noch eine Menge zu tun. Das verstanden Scott und Irwin sehr gut, auch wenn sie natürlich enttäuscht waren. Okay, meinte Irwin Schade! Keine Zeit mehr für die Nord-Gruppe, heh?

Joe Allen verstand es als rhetorische Frage und sagte nichts weiter dazu. Scott und Irwin erledigten ihre Arbeit. Keine Viertelstunde später waren sie schon wieder unterwegs zum ALSEPNASAALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package, wo die drei verbundenen Bohrersegmente der tiefen Kernprobe noch getrennt werden sollten. Allerdings hatten sie schon beschlossen, das lange Stück irgendwie im Ganzen nach Hause zu bringen, und in Houston war man letztlich auch der Meinung, dass im Kommandomodul Platz für die drei zusammengeschraubten Segmente ist. So wurde es dann auch gemacht.

In gewisser Weise darf Apollo 15 wohl als der letzte Testflug bezeichnet werden. Armstrong und Aldrin hatten gezeigt, eine Landung auf der Mondoberfläche ist möglich und zwei Astronauten können außerhalb der Landefähre praktische Arbeit verrichten. Conrad und Bean demonstrierten eine Punktlandung und sind gleich zweimal für mehrere Stunden ausgestiegen. Shepard und Mitchell bewiesen, dass man auf dem Mond längere Strecken laufen kann. Falls also das Fahrzeug ausfällt, könnten Astronauten aus größeren Entfernungen auch zu Fuß wieder zum LMNASALMLunar Module zurückkehren. Nun sollten Scott und Irwin zeigen, was das LRVNASALRVLunar Roving Vehicle kann und außerdem, dass die Landefähre, ihre Anzüge, die tragbaren Lebenserhaltungssysteme sowie sie selbst in der Lage sind, drei arbeitsreiche Tage auf dem Mond zu bewältigen.

Nach diesen drei Tagen ist eins klar gewesen. Was die Länge einer Apollo-Mission betrifft, hatten Scott und Irwin die Grenze des Machbaren keineswegs überschritten. Die Ausrüstung funktionierte nicht immer wie erwartet und es war unvermeidlich, dass die Zahl kleinerer Probleme wuchs, wie die folgenden Missionen von Apollo 16 und Apollo 17 ebenfalls zeigen sollten. Darum kann man vielleicht sagen, sie mussten ans Limit gehen. Scott vergaß am Ende der ersten EVANASAEVAExtravehicular Activity, bei seinem Partner die PLSS/OPS-Antenne einzuklappen und sie brach ab, als Irwin durch die Luke kroch. Die Antenne konnte mit Klebeband repariert werden, aber das Missgeschick verdeutlicht, was alles während einer Mission passieren kann und auch passiert. Der viele Staub überall verursachte großen Aufwand. Obwohl die Astronauten sich am Ende jeder EVANASAEVAExtravehicular Activity so gut es ging abbürsteten, die Kabine wurde immer dreckiger. Sie steckten die verschmutzten Anzugbeine in Beutel, um das Problem in den Griff zu bekommen. Am Abend säuberten sie die Anschlussringe für Helm und Handschuhe sowie die Reißverschlüsse, bevor ein Schmiermittel aufgetragen wurde. Trotzdem begannen Mechanik und Verschlüsse mit jedem Tag mehr zu haken. Außerhalb der Kabine sammelte sich der Staub auf allen beweglichen Teilen, die freilagen. Scott und Irwin hatten mit dem LRVNASALRVLunar Roving Vehicle und den Werkzeugen nicht annähernd solche Probleme wie die folgenden Besatzungen, doch ihre Sonnenschutzvisiere bekamen ebenfalls immer mehr Kratzer und auch die Anzeigen waren umso schwerer abzulesen, je schmutziger sie wurden.

Zwangsläufig summierten sich die Kleinigkeiten am Ende und man kann daraus für die Planung von ambitionierteren Missionen etwas lernen. Im Rahmen des Apollo-Programms bewiesen Scott und Irwin aber, dass drei Tage nicht zu viel sind. Man hatte allen Grund, von den zwei ausstehenden Missionen sogar noch mehr zu erwarten. Die Bohrer konnten verbessert werden, die Zwinge würde man richtig herum montieren und auch alle anderen gemachten Erfahrungen berücksichtigen, um den Erfolg der Missionen von Apollo 16 und Apollo 17 zu steigern.